Montag, 30. März 2009

Was ist das nur...

Quelle Foto: www.pixelio.de Fotograf: Peter Hebgen

Wie kommt es, dass ich Dich so liebe?
Gerade Dich, gerade jetzt?
Was wäre, wenn ich nicht mehr bliebe...?
Wär’ ich es, die sich selbst verletzt?

Was ist es, was mein Leben macht,
dein Blick frisst Löcher in mein Herz,
auch wenn ich scheinbar drüber lach,
doch in mir fühle ich nur Schmerz.

Wo bist du, der mein Leben war?
So stark, so tief hast du empfunden!
Das Glück von damals eingetrübt,
schlägt es uns beiden tiefe Wunden.

Was ist das nur, das mit uns beiden,
gemeinsam nicht und nicht entzwei,
dass wir uns lieben und doch leiden,
gefangen sind wir und doch frei...

Marie-Therése Marquart

Freitag, 27. März 2009

Meditation? Wozu soll das gut sein?

Quelle Foto: www.pixelio.de Fotograf: Harry Hautumm



Als Mensch, der im Sternzeichen "Schütze" geboren wurde, bin ich zwar einerseits ein Verstandesmensch, konnte mich aber schon immer für das Ungewöhnliche begeistern und liebe es, Neues auszuprobieren.

Irgendwann fiel mir ein Buch über Meditation in die Hände. Ich weiß heute den Titel nicht mehr. Darin wurde eine ganz einfache Technik für Meditation beschrieben und ich dachte mir:
Ach was solls, ausprobieren kostet nix! und ich setzte mich auf einen Stuhl und schloß die Augen.
Tief ein-, und ausatmen, einige Male... - gerade Haltung, so, als hinge man an einer unsichtbaren Schnur... - die Gedanken "betrachten" und sie langsamer werden lassen... - Lücken zwischen den Gedanken immer größer werden lassen... - die Gedanken wie Wolken am Himmel weiterziehen lassen... - den Blick hinter den Lider geradeaus gerichtet, als wolle man auf eine "innere Wand" schauen...

Ich kann nicht sagen, dass mir all das sofort "perfekt" gelungen ist.
Doch bei jeder weiteren Sitzung erinnerte ich mich wieder an eine weitere "Betriebsanweisungen" aus dem Buch und eines Tages stellte ich fest, dass ich plötzlich begriff, was Mediation eigentlich ist.

Den Blick nach innen gerichtet, stellt sich nach einiger Übung erstaunlich schnell eine Art von "automatischer Ruhe" ein. Ganz egal, wo man ist, es funktioniert! Der Körper ist wach, doch ein Teil von ihm schaltet sanft ab. Er "erkennt" irgendwann diesen bewußt herbeigeführten Zustand des inneren Friedens und trägt von selbst dazu bei, dass er sich einstellt.

Ich glaube, dass unser Körper Meditation liebt und deshalb lernt er nach einiger Zeit von selbst, abzuschalten. "Korrektes" Meditieren gibt es nicht. Jeder Mensch meditiert anders, so, wie jeder Mensch anders einschläft, anders träumt, anders fühlt.

Wenn du magst, teste es einfach mal, ob auch dein Körper gerne meditieren möchte...
Du hast nichts zu verlieren, ausser einige Minuten deines vielleicht hektischen Alltags...

Mit der Zeit wirst du die innere Ruhe lieben. Sie wird ein Teil von Dir, so, wie das abendliche Einschlafen, wird sie dir vertraut und irgendwann sehnst du dich nach ihr.

Was Meditation dir schenkt:
Regelmäßiges Meditieren schenkt innere Ausgeglichenheit und Selbstsicherheit.
Meditation sorgt für schöne, lichte und "sinnvolle" Träume und schenkt tiefen Schlaf.
Sie behebt Nervosität und verhilft Dir, Entscheidungen im Leben leichter zu treffen.
Sie fördert deine Menschenkenntnis und steigert das Verständnis für andere Lebewesen.
Sie macht klug und weise - man kann besser denken.
Sie entschärft Panikattacken und unbestimmte Ängste und hat sogar postivien Einfluß auf psychosomatischen Störungen.
Ich habe meine Angst vor dem Zahnarzt mit Meditation in den Griff bekommen.

Wenn du allerdings eher Angst verspürst vor der "unbekannten" Ruhe, dann ist es an der Zeit, dich zu fragen, warum das so ist. Wenn du ausserdem ganz schlecht alleine sein kannst, forsche nach der Ursache dafür. Womöglich liegt sie in der frühesten Kindheit begründet...
In unserer heutigen Zeit voller Hektik, Berieselung und Chaos haben viele verlernt, ruhig zu werden und einige Minuten in völliger Stille auszuharren. Es muss sich immer etwas rühren, ständig irgendwelche Menschen um uns sein, weil wir die Stille nicht ertragen können.
Stille kann auch "laut" sein, wenn man sie nicht gewöhnt ist. Manch einer registriert sogar eine Art "Dröhnen" in den Ohren, obwohl da nichts ist.
Auch das ist Gewohnheit. Läßt man sich auf die Stille ein, hört auch das auf.
Denn unsere Seele sehnt sich ab und zu danach, nach innen zu lauschen und den künstlichen Lärm des "Draussen" abzuschalten.
Ein gutes Hilfsmittel für Einsteiger ist gute, ruhige Meditationsmusik. Man kann sie auch in Leihbüchereien ausleihen. Jetzt, im Frühling, schenkt uns die Natur ihre schönsten Melodien durch das herrliche Vogelgezwitscher! Die wahrhaft schönste Musik zum Meditieren!

Schalte doch auch einfach mal ab...


Eure Marie-Therése

Samstag, 21. März 2009

Wieder ein Kind sein...

Als ich irgendwann erkennen und zugeben musste,
dass Pit inzwischen zum gefühlskalten,
egoistischen Alkoholiker geworden war,
und ich nur jahrelang hartnäckig
die Augen davor geschlossen
hatte,
wurde mir mit aller Härte bewußt, dass ich in einer
gigantischen Lebenslüge lebte.

Da bekam ich solches Heimweh und eine brennende Sehnsucht
nach meinem Zuhause und meiner Mutter.
Tiefe Reue überkam mich, denn ich hatte, was Pit anbelangte,
nicht auf sie hören, meinen eigenen Willen durchsetzen wollen.

Nun fühlte ich mich so unendlich ausgebrannt, kraftlos und
alleingelassen. Wie gerne wäre ich wieder Kind gewesen,
und dieses Leben wäre nur ein böser Traum,
aus dem ich jederzeit erwachen könnte...


Quelle Foto: www.pixelio.de Fotograf: Harry Hautumm

In dieser Zeit schrieb ich dies Gedicht:

Ach, Mutter...

Ach Mutter,
lass mich doch bei dir...
mein Herz vor Angst nach Atem ringt,
wenn dunkle Schatten über mir,
hältst du mich fest und tröstest mich,
wie einst als Kind...


Oh Mutter,
lass mich doch bei dir...
ich kann die Sonne nicht mehr sehn,
ganz dunkel ist die Welt um mich,
kann meinen Weg jetzt nimmer gehen,
ich bin allein und brauche dich,
so wie ein Kind...


Ach, Mutter,
hol mich doch zu dir...
dass deine Hand fest nach mir greift,
wenn ich gestürzt bin unbedacht,
zart über meine Wunden streicht,
mich liebend zudeckt in der Nacht,
wie einst als Kind...


Oh, Mutter,
heb mich hoch zu dir,
lass mich ganz nahe bei dir sein,
wisch mir die Tränen vom Gesicht,
in deinen Armen schlaf ich ein,
wie einst als Kind...


von Marie-Therése Marquart

Dienstag, 17. März 2009

Quelle Foto: www.pixelio.de
Fotograf: Peter Hebgen



Scherbenhaufen

Ich seh’ dich an und sehe dich nicht.
Dein Rausch hat Dich weit fort getragen...

Vergeblich such ich das Licht im Blick,
den Lebensglanz aus vergangnen Tagen.

Was lässt dich ständig flieh’n vor mir?
Warum kannst du nicht mehr nüchtern bleiben?

Dein Atem keucht, die Zunge schwer,
lässt du dich nur durchs Leben treiben!

Und wo bin ich darin geblieben?
Mein Herz hast Du längst ausgesetzt.

Die Liebe hat Bankrott geschrieben,
Dein Herz ist jetzt vom Schnaps besetzt.

So lass mich gehen und halt mich nicht,
wenngleich dein Mund was andres lallt.

Siehst mir nicht mal mehr ins Gesicht,
am Ende nur die Türe knallt.

Ich dreh mich um, fang an zu laufen,
verschwende keine Zeit mehr hier,

Ich steige über Scherbenhaufen,
mein Leben gehört jetzt wieder mir!
~ * ~

Montag, 16. März 2009

Ist Gott auf meiner Seite?

Die Frage, ob man religiös ist oder nicht, stellt sich Dir selten zu Zeiten, in denen es Dir gut geht.
Der innere Ruf nach einer höheren Macht, einer hilfreichen, spirituellen Hand, die Dich leiten soll, wird erst dann laut, wenn Du ganz unten zu stehen glaubst.

Ich bin in einem katholischen Elternhaus groß geworden, jedoch ohne Druck, in die Kirche gehen zu müssen.
Als Kind folgte ich meiner, aufgrund der vielen Sterbefälle damals, ständig in trauerschwarz gekleideten Mutter auf sämtliche Friedhöfe. Der stille Ort hatte etwas Magisches für mich.

Ich "musste" nie zur Kirche. Es sollte immer freiwillig geschehen. Meine Mutter, eigentlich eine strenge Erzieherin, war sehr tolerant in dieser Hinsicht. Als ein eher rebellisches Kind habe ich mich von der ersten Klasse an gegen jede Vorschrift in Sachen "Glauben" zur Wehr gesetzt. Vor Gott treten zu müssen, blieb bis heute für mich ein Paradox. Es wäre so, als "müsse" man lieben!
Ich war spontan allen Riten und Glaubenssätzen gegenüber kritisch eingestellt und hinterfragte vieles, was in der Bibel stand und in der Schule gelehrt wurde.

Trotzdem trug ich "meinen lieben Gott" tief in mir. Und das ist bis heute so geblieben.

Ich weiß, dass ich mit ihm irgendwie verbunden bin, dass Gott mich liebt und mich niemals im Stich lassen würde.

Doch das war nicht immer so...

In meinen schlimmen Ehejahren mit Pit fühlte ich mich sehr oft verlassen von Gott - und der Welt!

Ich selbst war es jedoch, die sich abgeschottet hat, um nichts mehr herein zu lassen in dieses elende Dasein, dass geprägt war von Ängsten und Panik, von Harmoniesehnsucht und Traurigkeit.

Einziger Sonnenstrahl waren die Kinder. Nur in meinem Spiel mit ihnen konnte ich selbst wieder Kind sein, fühlte ich mich Gott plötzlich wieder näher. Wenn ich mit ihnen betete, war auch ich wieder "rein und klein" und konnte in meinem Innern ebenfalls unbefangen wie ein Kind vor Gott treten, ohne viel Drumherum, ohne langes Erklären. So, wie eine Begegnung mit Gott eigentlich sein sollte.

Als kleines Kind wuchs ich einige Jahre bei Klosterschwestern auf, ging später wieder zu Klosterschwestern in die Schule. Mit meiner damaligen, verehrten Lehrerin, Schwester Gunhilde, hatte ich 16 Jahre lang Briefkontakt und es verging kein Monat, in dem wir uns nicht geschrieben hätten. Diese Brieffreundschaft mit einer Klosterschwester hat in mir den Glauben irgendwie lebendig erhalten, wenn auch auf eine völlig andere Weise, als sich mancher Pfarrer dies vorstellt.

In der schwersten Zeit, als mir meine Älterste davonlief, um zu ihrem fragwürdigen Freund zu ziehen und Bernd wieder mal angefangen hatte, heimlich zu trinken, und ich ich ihn soeben zum x-ten Mal hinauswerfen musste, um meinen Grundsätzen wenigstens annähernd treu zu bleiben, lebte ich mit meiner jüngeren Tochter vorübergehend ganz allein.

Sie und ich. Wir beide. Sonst nichts.
Trauriges Beisammensein. Hilfloser Kampf bei ihr in der Schule - bei mir in ständig wechselnden Arbeitsstellen unter ätzenden Chefs oder im freien Fall der Arbeitslosigkeit.

Ich funktionierte nur noch. Tag um Tag spulte ich mein Chaos-Leben ab, stellte alles in Frage, was mir bis dahin an Positivem gelungen war. Ich glaubte an nichts mehr! Zu allerletzt glaubte ich an mich selbst und an das, was ich tat und plante. Ich, die immer gerne an die Zukunft dachte, hatte aufgehört, zu planen.

Nur nichts vor der Kleinen anmerken lassen, dachte ich krampfhaft.

Ich wurde krank. An einem Abend saß ich zusammen mit meiner Tochter vor dem Fernseher. Plötzlich bekam ich schwere Herzrhythmusstörungen.
Mein Herz gab eine Art Stakkato "dum-, -dum, ....drum-dr-dr-dum" von sich und konnte plötzlich nicht mehr richtig schlagen. Ich horchte in mich hinein und plötzlich wurde mir die Ernsthaftigkeit dieser Situation wie ein tiefer Nadelstich bewußt. Ich war wie erstarrt. "Was ist, wenn ich jetzt sterbe?" durchzuckte es mich, "...wenn mein Herz einfach stehen bleibt? Was wird dann aus meinem Kind? Sie ist dann ganz alleine, hat keinen Vater und dann auch keine Mutter mehr!"

Da vernahm ich eine Stimme in mir, ganz deutlich und klar. Sie befahl mir:

"Du musst mit dem Rauchen aufhören! Für immer! Jetzt gleich!"

Ich gehorchte. Die Zigarette, die ich mir soeben angezündet hatte, zerdrückte ich entschlossen im Aschenbecher. Es war die letzte! Ich schaffte es, nicht mehr zu rauchen.

"Komm, wir gehen ein bisschen spazieren, was meinst du?", fragte ich mein Töchterlein. Es wurde ein schöner Abendspaziergang und ich war der Stimme dankbar, die mir diese klare Anweisung gegeben hatte
Langsam beruhigte sich daraufhin mein Herz und der Druck in meiner Brust ließ nach.

Bis heute habe ich keine Zigarette mehr angerührt und ich bin dankbar, dass es mir gelungen ist, gesund und ohne diese Sucht leben zu dürfen.

Und der schönste Nebeneffekt: Ich hatte plötzlich viel mehr Geld übrig und konnte uns beiden so manchen Wunsch erfüllen!


Eure Marie-Therése

Quelle Foto: www.pixelio.de Fotograf: Peter Hebgen





Sonntag, 15. März 2009


Glückskeks-Sprüche


Quelle Foto: www.pixelio.de Fotograf: Peter Hebgen


Die Wahrheiten, die wir am wenigsten gern hören,
sind diejenigen, die wir am nötigesten kennen sollten.

~ * ~

Chinesische Weisheit

Mit freundlicher Genehmigung von:
www.lien-ying.de


Mittwoch, 11. März 2009

Kreuzbund - Dein erster Info-Abend!


Quelle Foto: www.pixelio.de Fotograf: Harry Hautumm



Vielleicht hast Du Dir schon oft gedacht:

"Jetzt trau ich mich! Ich geh da hin zu einer dieser Selbsthilfegruppen..."

Aber dann ist der Entschluß im Keim erstickt, weil Du nicht genau wußtest, wo und wann sich z.B. die Leute vom Kreuzbund zu ihrer Info-Gruppe treffen.

Darum sag ich es Dir gleich nochmal - es ist ganz einfach:

Jeden Donnerstag Abend um 18 Uhr trifft sich
Werner Suchomel (Tel. 09431/998 198)
im Caritas-Gebäude in der Ettmannsdorfer Strasse 21
(neben dem Parkhaus) in Schwandorf
mit seiner Info-Gruppe.

"Wie ist das denn, bei so einem Info-Abend?"
und
"Was reden denn die da? Ich weiß nicht, was ich da sagen soll..."

Kein Problem!
Wenn Du nur da sitzen und zuhören willst, was die anderen erzählen?
Keiner wird Dich bedrängen, wenn Du noch nicht über Dich sprechen willst.

Wer von sich erzählen will, erzählt. Die andern hören zu. Den Werner kann man alles fragen.

Er ist ein "alter Hase" und weiß sehr gut Bescheid rund um das Thema Alkohol.

Wir sprechen natürlich in erster Linie über das Alkoholproblem, klar.
Manche möchten einfach nur berichten, wie weit sie sind auf ihrem Weg.
Viele Angehörige kommen zu uns um zuzuhören um zu erfahren,
wie es anderen ergangen ist und ergeht im Kampf gegen den Alkohol.
"Was kostet denn das?"
Wir sind ein Verein. Natürlich braucht ein Verein Mitglieder, um existieren zu können.
Unsere Mitglieder genießen viele Vorteile, z.B. Seminare, die sie zu günstigen Preisen buchen können und vieles andere.
Du mußt nicht sofort etwas bezahlen. Schau Dir alles erstmal an und entscheide in Ruhe,
ob Du regelmäßig zu uns kommen möchtest. Du bist jederzeit willkommen und kannst zu jedem Zeitpunkt dem Kreuzbund beitreten.

"Welche Leute kommen da?"


Es kommen Leute aus allen Schichten zum Kreuzbund!
Arbeiter, Hausfrauen, Mütter, Lehrer, Eltern und Kinder...

Wir sagen alle "Du" zu einander.

Einer unserer Grundregeln lautet:

Keiner redet ausserhalb der Gruppe über die Gruppe und das,
was während dieser gesprochen wurde.


Also - trau Dich und komme zu uns!
Es ist ein erster Schritt...
Aber - tun musst Du ihn selbst!


Mehr "Info" über unsere Gruppen in der Oberpfalz findest Du hier:

Montag, 9. März 2009

Glückskeks-Sprüche





Quelle Foto:
www.pixelio.de Fotograf: Harry Hautumm



"Jede Minute, die man lacht,
verlängert das Leben um eine Stunde!"

~ * ~

(Chinesische Weisheit)



Mit freundlicher Genehmigung von:
www.lien-ying.de


Samstag, 7. März 2009

Kenn'n Sie den schon...?


„Trinken Sie?“ fragt der Arzt nach der Untersuchung,
„Ihr Herz schlägt so unregelmäßig!“
"Ja, Herr Doktor - aber daran kann es nicht liegen...

Ich trinke nämlich regelmäßig!“

Freitag, 6. März 2009


Infoecke Alkoholismus

Quelle: www.pixelio.de Fotograf: Harry Hautumm




Krankheitsverlauf Alkoholismus (nach Jellinek)


Sich über die Krankheit "Alkoholismus" zu informieren, ist für Angehörige von großer Wichtigkeit und Bedeutung. Zwar ändert das bessere Wissen über die Krankheit zunächst nichts an der häuslichen Situation mit dem Trinkenden, dennoch ist es von unschätzbarem Wert, sich unabhängig von der Meinung anderer (andere Familienmitglieder, Freunde, Arbeitskollegen, Nachbarn) zu informieren, um sich aufgrund der Schilderungen zumindest ein erstes Bild davon machen zu können, ob und inwieweit fortgeschritten die Krankheit im konkreten Fall schon ist. Als sehr aufschlussreich und fundiert haben sich diesbezüglich die Forschungsergebnisse des amerikanischen Physiologen Elvin Morton Jellinek erwiesen, dessen Modell mit dem Namen

"Ursprünglich angenommener Krankheitsverlauf"

zur Beurteilung der Phasen von Alkoholismus bis heute in Fachkreisen große Beachtung findet.


Anmerkung zum Text selbst:

Zur besseren Verständlichkeit habe ich die nachfolgenden Artikel (Quelle: Wikipedia) in Passagen abgeändert, Fachbegriffe in Grundzügen erläutert, (blauer Text - teilweise in Klammern gesetzt) sowie speziell die für Angehörige aufschlußreichen Hinweise auf eine vorliegende Alkoholsucht in blau gekennzeichnet.
Nach meinen eigenen Erfahrungen sind die dort geschilderten Verhaltensweisen für die Erkrankung sehr typisch und werden in unseren Selbsthilfegruppen sehr oft von den Angehörigen alkoholkranker Menschen hinterfragt.

Der Einfachheit halber wird im Text - wie im Deutschen üblich - meist die männliche Form gewählt. Um Mißverständnissen vorzubeugen, möchte ich erwähnen, dass "die Angehörigen" und "der Betroffene" naturgemäß Frauen sowie auch Männer sein können.


1. Symptomatische Phase

Der Beginn des Konsums alkoholischer Getränke ist immer sozial motiviert (in Gesellschaft oder gerade unter Gleichgesinnten trinkt sich's ungenierter). Im Gegensatz zu durchschnittlichen Trinkern empfindet der spätere Alkoholiker befriedigende Erleichterung, entweder weil seine inneren Spannungen größer sind oder er – im Gegensatz zu anderen – nicht gelernt hat, mit diesen umzugehen. Anfangs schreibt der Trinker seine Erleichterung eher der Situation zu (lustige Gesellschaft) als dem Trinken. Er sucht Gelegenheiten, bei denen beiläufig getrunken wird.


Im Laufe von Monaten bis Jahren lässt seine Toleranz für seelische Belastungen so sehr nach, dass er praktisch tägliche Zuflucht im Alkohol sucht. Da er nicht offen betrunken ist, erscheint sein Trinken weder ihm noch seiner Umgebung verdächtig. (!!!) Mit der Zeit erhöht sich die Alkoholtoleranz (Gewöhnung an den Alkohol). Der Alkoholiker trinkt immer mehr. Nach weiteren Monaten bis Jahren geht das Stadium vom gelegentlichen zum dauernden Erleichterungs-/Entlastungstrinken über. Für die gleiche Wirkung benötigt er immer mehr Alkohol.


2. Vorläufer-Phase

In der Vorläufer-Phase (prodromale Phase) der Abhängigkeit können plötzliche Erinnerungslücken, Amnesien (Gedächtnisstörungen, "Blackout" oder auch bekannt als "Filmriß") ohne Anzeichen von Trunkenheit auftreten. Der Trinker kann Unterhaltungen führen und Arbeiten leisten, sich aber am nächsten Tag tatsächlich nicht mehr erinnern. Bier, Wein, und Spirituosen hören auf, Getränke zu sein, werden zur dringend benötigten Droge (Medizin). Dem Trinker wird allmählich bewusst, dass er anders trinkt als andere. Er beginnt, sich zu schämen und vor Beurteilung durch andere zu fürchten. Er trinkt heimlich bei geselligen Gelegenheiten und legt sich Verstecke mit größeren Alkoholvorräten an. Der Alkoholiker denkt dauernd an Alkohol. Wegen der verstärkten Abhängigkeit tritt das „gierige Trinken“ auf, das Herunterkippen des ersten Glases oder der ersten Gläser. (Manche trinken gezielt vor gesellschaftlichen Ereignissen, um einen alkoholischen "Vorsprung" zu haben). Der Alkoholiker spürt, dass etwas nicht stimmt, und entwickelt Schuldgefühle und Scham wegen seiner Trinkart. Er vermeidet Anspielungen auf Alkohol und Trinkverhalten in Gesprächen (und wechselt dann schnell das Thema).
Oft verdrängt er eigentliche Bedürfnisse oder ist zu depressiv, etwas zu ändern. Teils entlähmt der Alkohol, hilft, wie gehabt zu funktionieren.
Der Alkoholkonsum ist bis hierhin schon hoch, fällt aber nicht besonders auf, da er zu keinem deutlichen Rausch führt. Diese Phase endet mit „zunehmenden Gedächtnislücken“. Durch die täglichen Betäubungen mit Alkohol verändern sich Nerven- und Stoffwechselvorgänge. Die körperliche Leistungsfähigkeit und Abwehrkräfte nehmen langsam ab. Es kommt häufiger zu Erkältungskrankheiten oder Kreislaufstörungen.


3. Die kritische Phase

In der kritischen Phase erleidet der Kranke Kontrollverluste, was heißt, dass er schon nach dem Konsum kleiner Mengen Alkohols ein intensives Verlangen nach mehr in ihm aufkommt, was sich erst dann legt, wenn der Trinker zu betrunken oder zu krank ist, um mehr zu trinken (Fachausdruck: Craving). Ein Rest von Kontrolle besteht noch.

Allgemeines Verhalten in dieser Phase:
Der Betroffene versucht, sich zu „beherrschen“. (Er glaubt, er könne sein Trinkverhalten mit genügend Willenskraft in den Griff bekommen)
Er verspricht Abstinenz
und versucht, sie auch einzuhalten, scheitert damit aber auf Dauer.
Er sucht Ausreden für sein Trinken.
Jeder Kontrollverlust habe einen guten äußeren Grund gehabt.


Die Erklärungsversuche seines Verhaltens sind ihm wichtig, da er außer dem Alkohol keine anderen Lösungen seiner Probleme kennt.
Parallel erweitert sich ein ganzes Erklärungssystem, das sich auf das gesamte Leben ausdehnt. Er wehrt sich damit gegen soziale Belastungen. Wegen seiner Persönlichkeitsveränderung entstehen immer häufiger Streitigkeiten mit der Familie. Der Süchtige kompensiert sein schrumpfendes Selbstwertgefühl durch gespielte übergroße Selbstsicherheit nach außen.

Das Erklärungssystem und die Konflikte isolieren den Kranken zunehmend. Er sucht aber die Fehler nicht bei sich, sondern bei den anderen und entwickelt ein auffälliges Verhalten.


Als Reaktion auf den sozialen Druck durchlebt mancher Kranke Perioden völliger Abstinenz (Anlaß zu vorschnellen Hoffnung bei den Angehörigen, der Betroffene hätte seine Sucht bereits "im Griff") Er versucht nun andere Methoden (Tricks), sein Trinken zu kontrollieren. Er ändert das Trinksystem und stellt Regeln auf (nur bestimmte Alkoholarten an bestimmten Orten zu bestimmten Zeiten ("Ich trinke nie am Arbeitsplatz", "Ich trinke nur abends mal ein, zwei Gläser Wein"). Dabei trifft er oft auf mangelndes Verständnis seiner Umgebung („Ein Bier ist doch o.k.“, „Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren“, „Zwischen Leber und Milz passt immer noch ein Pils“, "Mehr als drei Bier trinke ich nicht"). Der Trinker verliert das Interesse an seiner Umgebung, richtet seine Tätigkeiten nach dem Trinken aus und entwickelt ein auffallendes Selbstmitleid. Die soziale Isolation (Vereinsamung) und die Verstrickung in Lügen und Erklärungen sind besonders auffällig. Wenn vom Trinken die Rede ist, wird er sehr schnell aggressiv.

Das Familienleben verändert sich. Die Familie, die den Trinkenden oft noch „deckt“ (Co-Alkoholismus, Co-Abhängigkeit
), isoliert sich gesellschaftlich oder – ganz im Gegenteil – flüchtet sich vor dem häuslichen Umfeld in ausgiebige Aktivitäten ausserhalb des Hauses, (um mit dem Trinkenden nicht zusammen sein zu müssen.) Der Alkoholiker reagiert mit grundlosem Unwillen. Er merkt, dass man ihm aus dem Wege geht und seine Gesellschaft offensichtlich meidet. Viele Alkoholiker entwickeln in dieser Phase eine ausgeprägte, krankhafte Eifersucht gegenüber ihren Partnern, unterstellen ihnen Seitensprünge oder zumindest die ständige Bereitschaft dazu, was auf sein angeschlagenes Selbstwertgefühl zurückzuführen ist.

Wenn der „Stoff“ fehlt, startet er abenteuerliche Beschaffungsversuche. Er versucht, seinen Vorrat zu sichern, indem er Alkohol an den ungewöhnlichsten Orten versteckt.
Körperlich sichtbare, den Angehörigen auffallende Folgen treten auf, wie Händezittern
, Schweißausbrüche und sexuelle Störungen wie Impotenz.



Die chronische Phase

Die chronische Phase endet in der Zerstörung des Menschen.
Der Alkoholiker baut ethisch ab, (ihm ist alles egal, prallt einfach an ihm ab. Selbst dramatische Ereignisse z.B. in der Familie können ihn nicht mehr "wachrütteln". Er wirkt völlig teilnahms-, und gefühllos.

Rauschzustände werden länger.
Bei einigen treten alkoholische Psychosen (Geisteskrankheiten) wie Schizophrenie auf.
Der Alkoholkranke kann sich und die Geschehnisse in seinem Umfeld nicht mehr in Einklang bringen und neigt manchmal zu Affekthandlungen mit starken Gefühlsschwankungen, denen er sich oft nicht bewußt wird.

Der Betroffene trinkt mit Personen weit unter seinem bisherigen sozialen Niveau. (Das Gefühl, "noch besser als die" zu sein, hebt vorübergehend seine durchwegs trübe Stimmung und verleiht ihm den Eindruck einer Art von "Ersatzfamilie", in deren Kreis er sich ungeniert seinem Alkoholkonsum hingeben kann).

Er ist inzwischen sehr stark abhängig geworden und ist auf die ununterbrochene Vesorgung von Alkohol angewiesen. Falls keine alkoholischen Getränke verfügbar sind, geniert er sich nicht, andere um Alkohol anzubetteln, vor allem dann, wenn er gesundheitlich nicht mehrin der Lage ist, sich selbst welchen zu besorgen. Dann konsumiert er unter Umständen sogar vergällten Alkohol (etwa Brennspiritus). Es gab auch schon Alkoholiker, die Rasierwasser getrunken haben! Ein Verlust der Alkoholtoleranz fällt im persönlichen Umfeld auf. Der Trinker verträgt plötzlich auffallend wenig und ist bereits nach verhältnismäßig geringen Mengen betrunken, was vor allem am Stammtisch für Lachsalven sorgt.


Es treten (immer öfter tagsüber und sehr oft auch Nachts, wenn der Körper im Schlaf plötzlich in den Entzug fällt,) undefinierbare Angstzustände und starkes Zittern auf (manchmal zittert und zuckt der ganze Körper so sehr, dass Essen und Trinken unmöglich wird). Auf Entzugssymptome, (die sich jetzt relativ schnell einstellen), reagiert der Alkoholiker mit zwanghaft maßlosem Trinken (sehr oft bis zur Bewußtlosigkeit). Viele Alkoholiker entwickeln unbestimmte religiöse Wünsche. Die Erklärungsversuche werden schwächer; es kommt der Punkt, an dem das Erklärungssystem versagt. Der Süchtige gibt seine Niederlage zu. Der Kranke bricht zusammen, nicht wenige begehen Selbstmord.

Trinkt der Kranke weiter, treten im Alkoholdelirium (Irresein, Verwirrtsein) Alkoholpsychosen mit Halluzinationen (Wahnvorstellungen), Stimmenhören, Angst, Desorientierung auf. Die schwerste Folge ist das lebensgefährliche Delirium tremens, (ein ernster und lebensbedrohlicher Zustand) das bei plötzlichem Alkoholentzug auftreten kann. Jetzt werden auch Schizophrenie oder Epilepsie mit lebensbedrohlichen Zuständen offensichtlich. In dieser Endphase ist der Kranke am ehesten bereit, Hilfe anzunehmen. Eine Einweisung in eine spezielle Entgiftungsklinik ist für ihn lebensrettend – und der mögliche Einstieg in eine Entwöhnungsbehandlung.


Quelle: www.wikipedia.de


Anmerkung:
In akuten Fällen wie diesen muss der Betroffene sofort in eine Klinik gebracht werden, um Hilfe für ihn einzuleiten! Verständigen Sie Hausarzt oder Notarzt! Falls der Betroffene offensichtliche Wahnvorstellungen hat und anfängt zu randalieren, rufe sofort die Polizei! Auch Du kannst dadurch gefährdet sein, da Dich der Alkoholiker in seinem Wahn nicht mehr erkennen könnte oder Dich fälschlicherweise als Auslöser seiner Ängste sieht!

Coabhängiges Verhalten - woran erkennt man es?

Bildquellenangabe:   Uta Herbert - pixelio.de Der Mann Deiner Schwester, Deiner Freundin...