Montag, 23. Oktober 2017

Coabhängiges Verhalten - woran erkennt man es?

Bildquellenangabe: 
Uta Herbert - pixelio.de

Der Mann Deiner Schwester, Deiner Freundin, trinkt?

Du hörst Dir stundenlange Berichte über seine alkoholischen Exzesse an?
Du rätst ihr: "Verlasse ihn! Du bist unglücklich mit ihm!"

Du willst ihr helfen, bietest Ihr eine vorübergehende Bleibe in Deiner Wohnung an,
Deine Unterstützung und Hilfe...



Sie verspricht es, weint, erklärt, wie sehr sie ihn noch liebt, ihn nicht im Stich lassen will...
Bedankt sich für Dein Angebot. Sie wirkt sehr verzweifelt, entschlossen.
Sie bedankt sich und Du hast den Eindruck, dass sie es nun endlich packen wird,
dass sie ihn verläßt.

Kurze Zeit drauf fragst Du nach, wie es nun ist, wann sie sich endlich dazu entschließt, ihn zu verlassen.

Was bekommst Du zu hören?
Unschlüssiges Herumdrucksen, Beteuerungen, wie wenig er zurzeit doch trinkt,
dass er versprochen hat, aufzuhören, er so sehr an den Kindern hängt...
Sie ihm NOCH EINMAL EINE CHANCE GEBEN WILL!


Die wievielte Chance wäre das dann?
Die 175igste?
Du säufzt.
Du kennst das. Es ist immer dasselbe...
Sie kann sich nicht aufraffen!
Ihre Gefühle und ihr übermäßiges Verantwortungsgefühl ihm gegenüber
lassen es einfach nicht zu, dass sie geht.

Je öfter Du in sie drängst, umso abweisender wird sie.
Sie will sich dieses Türchen selbst offen lassen.
Keine Einmischung dulden...
Das geht so weit, bis sich von sich aus den Kontakt abbricht, aus Angst,
wieder mal die "Gewissensfrage" gestellt zu bekommen...

Was soll man tun?
Mit Zwang erreicht man nichts.
Sie muss - genau wie ihr trinkender Partner - selbst den 1. Schritt gehen wollen.
Sie sind abhängig voneinander...
Er von seinem Alkohol und ihrer Unterstützung...
Sie von ihrem Helfersyndrom und dem Wahn, ihn "retten zu wollen!"
Du kannst sie nur "von weitem" betreuen, ihr aus dem Abstand heraus Beistand geben.
Sollte es zu häuslicher Gewalt kommen, dann musst Du es zweifellos melden.
Am besten der Polizei, wenn es kürzlich oder gerade erst passiert ist.

Selbst dann bleiben Frauen oft bei ihren schlagenden Männern.
Aus Liebe? Aus Angst?
Es kann passieren, dass sie ihn sogar decken und verheimlichen wollen, was er ihnen angetan hat. Das alles gehört zum Abhängigkeitsmuster.
Sie ist krank... genau wie er.

Im Grunde muss sie ihren Weg selbst gehen.
Ihre Entscheidungen selbst treffen.
Es ist aber gut, mit dem Finger auf den Ausweg zu zeigen.

Herzlichst

M.T.








Freitag, 10. März 2017

Leben an der Seite eines Trinkers...

Das Leben mit einem aktiven Alkoholiker fühlt sich oft an, als handele es sich um eine fremdartige Inszenierung...

Es fragt sich nur, welche Rolle du darin spielen (willst)?

Bildquelle: Thomas B.  / pixelio.de

Nicht zwangsläufig sind wir in diese Rolle geschlüpft, wir haben sie entweder freiwillig und unbewußt eingenommen, oder wir haben das "Drehbuch" nur flüchtig gelesen und im Glauben daran, dass "es nicht so schwer sein kann", haben wir den Part im Drama "Leben eines Angehörigen eines Trinkers" übereilt und leichtgläubig übernommen.

Wie im richtigen Leben hast Du gewisse Grundvoraussetzungen, um das fragwürdige Leben an der Seite eines Alkoholikers führen zu können:

Dein Selbstbewußtsein ist eher gering...
("Ich muss froh sein, wenn mir auch nur einer ansieht!")

Deine Toleranz gegenüber bescheuerten Männern, die mit Frauen alles mögliche anstellen wollen unter dem Deckmäntelchen vorgespielter Gefühle, ist sehr hoch!
(Er schlägt mich, aber er meint es nicht so... im Grunde ist er ein guter Kerl!)

Du bist bereit, alle Opfer zu bringen!
(Ich verzichte gerne, Hauptsache die Harmonie bleibt erhalten! Ich hasse Streit!)


Du magst Dich ohnehin nicht. Also vergisst Du Dich!
(Ich bin sowieso nicht anspruchsvoll, nicht so wie andere Frauen, die sich ständig irgendwas kaufen müssen! Ich brauche das nicht!)

Statt dessen sparst Du exklusiv an Deinen Bedürfnissen, erlaubst Dir nicht, Dir einmal was Nettes zu kaufen, Dir selbst Gutes zu tun, um Dich für Deinen täglichen, unermüdlichen Einsatz an der "Alkohol-Front" zu belohnen!
Wofür? Um die hohen Ausgaben für Alkoholkonsum Deines Trinkers etwas aufzufangen. Du denkst: Wieder ein Pluspunkt auf Deinem "Freiwilligen-Opfer-Konto"! Damit rettest du Euch ein paar Tage länger vor dem finanziellen AUS auf Eurem Bankkonto. Nur: Wie lange noch?

Du kannst gut in einem emotionalen Eisschrank leben!
(Ich weiß, dass er mich und seine Kinder liebt! Er kanns nur nicht so zeigen!)
Wie lange willst Du Dich noch nach Liebe und Zärtlichkeit sehnen?

Sein körperlicher Zustand ist Dir wichtiger als Dein eigener!
(OK, er hat zuviel getrunken. Dafür ist er jetzt ruhig und schläft!)
Im Grunde willst Du nur keinen Stress mit ihm. Denn Stress kennst Du nur zur Genüge aus Deiner eigenen Kindheit! Streit mach Dich fertig! Lieber verhälts Du Dich still, um das "Monster" nicht unnötig zu reizen...

Du machst sein beschissenes Leben zu Deinem!
(Ich muss auf ihn aufpassen, damit er keinen Blödsinn macht!)
Wie lange willst Du ihn noch in Schutz nehmen?
Er hasst Dich dafür, denn er will das im Grunde gar nicht!
Schon vergessen? Er ist KEIN ALKOHOLIKER !!! 

Du verstehst es sehr gut, HILFE von außen abzuschmettern!
(Das geht niemand was an, wie ich lebe! Es ist meine Entscheidung!)
Vergiss nicht: Andere sehen klarer, was bei Dir abgeht! Oder lebst Du auf dem Mond? Nein! Na also! Glaube nicht, dass Dein Umfeld nicht weiß, was bei Dir zuhause abgeht...

Er macht es zu DEINEM Lebensinhalt, herauszufinden, was er gerade möchte! (Ich bin doch seine Partnerin/Frau! Ich muss doch für ihn sorgen! Niemand versteht ihn so gut wie ich!) Ja, und keine ist grade so dumm wie DU!

Er versteht es sehr gut, Dich zu erpressen!
(Ich bin glücklich, wenn ich bei ihm sein kann!
 - Ich hasse es, alleine zu sein!)
Merkst Du es nicht?
Du bist IMMER ALLEINE, denn er braucht Dich nur, um es IHM bequem zu machen und ihm seine Alkoholquelle offen zu halten.
Gefühle für DICH? Damit hat er so seine Schwierigkeiten... 

Er braucht Dich, um sich am Arbeitsplatz für sein wiederholtes Fehlen zu entschuldigen! Und er freut sich sehr, wenn Du ihn nachts nach seinen Saufrunden mit Kumpanen mit dem Auto abholen kommst!
(Du tust ihm gerne den Gefallen, denn es ist wichtig für Dich, wirklich gebraucht zu werden!)
Er kann nicht fahren und er muss es auch nicht... er hat ja DICH! 

Wenn Dir einige Szenen in dem aufgezeigten Drama gut bekannt sind, bist Du die beste Besetzung für die Rolle der Angehörigen Deines Alkoholikers!

nur bedenke:

Die schönsten Jahre verrinnen....

Du wirst von IHM weder MEHR LIEBE noch irgendwelchen DANK erhalten! 
Er hasst Dich im Grunde für das, was Du für ihn tust, weil er trinkt!
Weil Du ihn erkannt hast!
Japaner sagen dazu: "Er hat sein Gesicht verloren"...
Du weißt um seine Schwäche - die fatale Sucht!
Also - kein Pluspunkt für DICH!


Er will davon NICHTS WISSEN! Denn...

du bist eine Art "GEFÄNGNISWÄRTER IN SEINEM SUCHTGEFÄNGNIS" !!
 
Und Deine Kinder?
Sie werden sich später, wenn sie erwachsen sind, nicht bei Dir bedanken,
dass Du so aufopfernd bei Deinem Trinker/Ihrem Vater geblieben bist und ihnen somit eine furchtbare Kindheit beschert hast!

Sie werden sich im Gegenteil verraten und verkauft fühlen, weil Du für sie nicht viel Zeit hattest, im Grunde ja immer nur mit ihm beschäftigt warst,
all die Jahre! Jahre, die sie Dich aber dringend gebraucht hätten!
Ein Elternhaus, das sie verstört, verwirrt und ängstlich gemacht hat.
Haben auch sie nicht was besseres verdient? Genau wie DU? 


Deine Familie schüttelt nur den Kopf, wenn sie Dein Elend sieht!

Seine Familie wird ihn jedoch beschützen - zur Not auch vor Dir!
Dein Einsatz und Deine Opferbereitschaft wird von seiner Famile nicht registriert. Denn auch sie will nicht wahrhaben, dass er ein Trinker ist!
Denn das wäre eine Schande für sie! Also ignoriert sie es. 


Und Du selbst?

Du hast doch Dein EIGENES LEBEN.... lebe es!

Kein anderer kann es für Dich tun.

Du hast in Wahrheit nur 2 Optionen:

Mach ihm massiven Druck, aufzuhören - oder verlasse ihn...


Du brauchst ihn nicht, wenn er weitertrinkt.
Es geht auch gut ohne ihn, wenn er säuft.
Das Leben hält so viel für Dich bereit!
 
Dass Du endlich Deine eigene Rolle in Deinem Leben spielen mögest, 
das wünsche ich Dir!

Suche Dir Hilfe und Beratung bei einer der Suchtberatungsstellen!

(Siehe unter "Selbsthilfegruppen" in diesem Blog!)


Deine

Marie-Therese Marquart  













 



Coabhängiges Verhalten - woran erkennt man es?

Bildquellenangabe:   Uta Herbert - pixelio.de Der Mann Deiner Schwester, Deiner Freundin...