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Sonntag, 11. November 2012

Er-warten wir zu viel?

Foto "Gegensätze" Quelle: M.T.  Marquart

Viele meiner LeserInnen fragen mich,
was sie denn tun könnten, um etwas zu ändern...

So lange wir nur beim Trinken zusehen und alles hinnehmen,
wird sich nichts ändern.
So lange wir immer nur passiv darauf warten,
dass der andere endlich was gegen seine Alkoholsucht tut,
warten wir lange, oft viel zu lange.
Manchmal ist warten eine gute Sache.
Sich in Geduld zu üben.

Doch in einer belastenden Suchtbeziehung/-ehe
nähren wir PartnerInnen von Alkoholikern gerne falsche Hoffnungen,
pflegen sie, wie kranke Pflänzchen 
auf der Fensterbank.
Wir wollen die Realität nicht wahrhaben.
Wir beschönigen alles.
Wir finden für alles eine Ausrede,
haben für das alkoholbedingte Verhalten zuviel Verständnis.
Nehmen in Schutz und setzen sich ein,
für einen Menschen,
der im Grunde ganz anders behandelt werden sollte.


Ja, gut. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.
Aber noch vorher sterben wahrscheinlich wir,
weil wir inzwischen alt, selbst krank vor Gram und Ärger,
gleichgültig angesichts des täglichen Elends 
geworden sind.

Weil wir viel zu lange auf   E T W A S  gewartet haben,
von dem wir selbst nicht wissen, wie es eigentlich aussieht.

Wir können nicht loslassen,
aus einer falschen Erwartungshaltung heraus.
Da schwingt auch eine gute Portion Starrsinn
und falscher Ehrgeiz mit,
die Situation trotz aller Schwierigkeiten

meistern zu wollen, zu müssen.

Hilft uns das wirklich was?

Nein.

Ok. Aber was können wir denn eigentlich tun?
Wir könnten aktiv werden.
Damit meine ich: heute, morgen - übermorgen!
aber: nicht IRGENDWANN....

Für wen?
Für uns selbst.
Wir dürfen hier einmal richtig egoistisch sein!
An uns denken.

Raus aus der Misere!
Wie in so vielen Lebenslagen, gilt auch hier:
Wer sein Leben ändern will, der bewirkt etwas.

Du bist wieder Herr deines eigenen Lebens.
Du kann es vollkommen neu beginnen, DEIN LEBEN!
Gott will, dass du dein Leben lebst, denn es ist wertvoll!

Es wieder entdecken - es neu gestalten!
Etwas unternehmen, etwas Neues kennen lernen,
ganz ohne ständig große Verantwortung tragen zu müssen,
schwer, wie ein Stein auf der Brust,
für jemand, dem das gleichgültig ist,
der das alles gar nicht zu schätzen weiß!

Das Zuviel an Verantwortung, das dich niederdrückt,
dir die Luft zum Atmen nimmt,
dich keinen klaren Gedanken mehr fassen lässt,
immer im Gedanken daran,
was er/sie jetzt, gerade in diesem Augenblick
wohl wieder trinkt, anstellt, torkelt, lallt, versumpft irgendwo...?


  • Sag einfach: HALT!
  • Sag: NICHT MEHR MIT MIR!
  • Sag: Ich bin ICH!

Erwarte nichts von anderen.

Aber: tue alles - für Dich!

Denn du bist der einzige Mensch,
auf den du dich verlassen kannst!

Lerne, dir selbst wieder zu vertrauen.
Dann brauchst du das alles nicht mehr!
Und dieses ständige
Verantwortung-übernehmen-müssen
verliert dann plötzlich seinen Sinn.

Denn jeder ist nur für sich selbst verantwortlich.

Auch du...

M.T. Marquart

Montag, 22. Oktober 2012

Zurück zu ihm…


Quelle: M.T. Marquart


Du hattest es bereits geschafft.
Du warst weg von ihm.

Du führtest ein selbstbestimmtes Leben, wenn auch noch unsicher und voller Zweifel.
Doch du konntest endlich ohne Angst und dumpfe Vorahnungen deinen Tag verleben.

Du kamst zur Ruhe und lerntest, in der Nacht durchzuschlafen.
Du konntest ohne wieder deine Freßattacken zu haben am Tisch sitzen.
Es gab ja keinen Grund dafür.
Du hattest alles, was du brauchtest und niemand konnte es dir wieder nehmen - außer du selbst.

Deine Kinder waren fröhlicher und lachten wieder unbeschwert mit dir.
Das machte dich so glücklich und gab dir die Gewissheit, richtig gehandelt zu haben.

Ok, oft warst du gedankenverloren und nicht bei der Sache.
Die Szenen deiner Ehe spielten vor deinem inneren Auge, immer wieder und wieder.
"Weg damit!" sagtest du dir dann und du blicktest mutig nach vorne.

Wenn auch das Geld knapp war, so gingst du trotzdem leichtfüßig dem Lichte entgegen,
heraus aus dem Desaster, aus der erdrückenden Atmophäre von Streit und Gewalt...
Fingst langsam an, all die schrecklichen Szenen zu vergessen.

Aber eines Tages traten an deren Stelle plötzlich die anderen, die sehnsüchtigen Bilder,
umrahmt mit schmerzenden Gefühlen und wehmütigen Erinnerungen aus den Zeiten,
in denen es noch schön war mit ihm.
Und dann ging es durch mit dir.
Du konntest nicht anders.

Du schaltetest deinen Verstand aus.
Warfst alle tapferen Vorsätze von dir.
Schertest dich nicht mehr um das, was du, was andere gesagt, dir eindringlich geraten haben.

"Sie müssen es ja nicht ertragen, diese Einsamkeit ohne ihn!", dachtest du und - gingst zurück zu ihm.

Es war ja zu schön gewesen, um wahr zu sein!

Aber du wolltest kein Leben ohne das, was ihm erst den richtigen "Kick" gab:

Prickelnde Spannung, zitternde Erwartung, nie zu wissen, wie du dran bist mir ihm, wann er heimkommt, leidenschaftlicher Streit und dramatische Kämpfe und die herrliche Versöhnung danach, die alles wieder vergessen machen konnte! 


Du konntest einfach nicht lassen davon…

Ihn zu bemuttern, ihn zu betreuen, ihn zu kontrollieren, ihn vorbehaltlos zu lieben und einfach alles zu vergessen, was er dir angetan hat!

Du fandest es schöner, lieber nicht alleine leben zu müssen und dafür nahmst du alles wieder in Kauf…

Denn im Grunde möchtest du nur    GEBRAUCHT WERDEN !

Dann hat dein Leben scheinbar wieder einen Sinn...

Du hast es verlernt, dich um dich selbst zu kümmern.
Du selbst findest dich nicht mehr.
Du hast dich längst aufgegeben.
Du brauchst die Abhängigkeit von ihm,
Denn dein Leben besteht aus seinem Leben,
und aus dem, was er mit dir macht.

Jede Nacht, tagtäglich, jahrein - jahraus.
Du hattest es doch schon geschafft...

Doch deine Entscheidung sah anders aus…



M.T. Marquart

Donnerstag, 1. März 2012

Alkoholiker als Partner?


Quelle: Marquart - See im Eisschlaf

"Wie kann man sich nur einen Alkoholiker zum Partner nehmen?


Diese Frage habe ich unzählige Male zu hören bekommen!
Hier müsste man zunächst mal fragen:
Könntest du es irgendwie gleich feststellen, wenn dein Gegenüber zu viel trinkt?
Ich meine: wenn du über eine gute Beobachtungsgabe und dazu einige Erfahrung im Umgang mit alkoholkranken Menschen hast, durchaus denkbar!
Ja…, dann könnte man annehmen, wäre es ziemlich einfach, gleich um solche „Kandidaten" einen großen Bogen zu machen.
Das hört sich so leicht an, ist aber nicht so einfach, wie man glauben möchte.
Dazu bräuchte es vor allen Dingen eine „gesunde" Einstellung zum Thema Trinken und Alkohol. Was will ich damit sagen?
Welche Meinung hast du selbst über das Trinken generell?
Findest du es nicht so schlimm und trinkst du selbst ab und zu ganz gerne
mal einen „Schluck"?
Bist du als Kind vielleicht mit Menschen aufgewachsen, die selbst regelmäßig getrunken haben? (Wenn du eine Frau bist – war es vielleicht sogar der Vater, der getrunken hat?)
Wie steht‘s eigentlich mit deinem Selbstbewusstsein? Findest du dich selbst ganz ok, oder kämst bei einer „Miss-Wahl" eher schlecht weg, weil du deiner Meinung nach nicht den Schönheitsidealen entsprichst? Ist es vielleicht sogar so, dass du dich selbst nicht leiden magst?
Dann zählst du leider aus Erfahrung zu denjenigen, die sich sehr oft in Alkoholiker verlieben und mit ihnen in einer Partnerschaft leben wollen.
Warum ist das so?
Unbewusst sucht man sich wieder ähnliche Konstellationen, wie die, die man als Kind zuhause miterlebt hat. Es handelt sich meiner Meinung nach um eine Art von „Wiedererkennungsmuster", das hier zum Tragen kommt. Man kennt es ja nicht anders von zuhause her. Man hat kein anderes „Muster" oder „Vorbild", als das, was man selbst vorgelebt bekommen hat. So kommt es, dass man das Trinken von Alkohol (gilt auch fürs Rauchen) als mehr oder weniger „normal" empfindet. Die Alarmglocke klingelt eben nicht, wenn es andere in deinem Umfeld tun.
Warum also sollte es dann ausgerechnet bei der Partnersuche „klingeln"?
Im Gegenteil! Du findest es nicht nur in Ordnung – du fühlst dich irgendwie geborgen. Erst mal. Er erinnert dich doch so an deinen Vater, den du trotz alledem lieb hattest. Kinder sind kritiklos. Sie lieben die Eltern so, wie sie eben sind.
Dann kommt da noch diese Sache hinzu: „Jeder Topf findet seinen Deckel!"
Instinktiv suchen sich solcher Art gefährdeter Frauen wieder „solche" Partner
(die ihrerseits trinken).
Umgekehrt verhält es sich genauso. Alkoholiker finden zielgenau immer gerade die Frauen, die auf die Merkmale eines Trinkers gerne „hereinfallen", z.B.:
Scheinbare Anschmiegsamkeit, Schmusigkeit, einen Art von Hilflosigkeit, eine Form von "Ich bin so alleine"-Verhalten....
Ok. Schauen wir uns das mal näher an:
Scheinbare Einfühlsamkeit bei Frauen (um schneller zum Ziel zu gelangen!)
Der Eindruck von Hilflosigkeit - spätestens im Rauschzustand, wenn das Reden und die Gestik schwer fallen, erinnert das an ein kleines Kind, das Hilfe braucht.
Hier kommen die angeborenen Mutterinstinkte einer Frau unbewusst zum Tragen.
Der langsame, lasziv wirkende Augenaufschlag wird als „Ich hab dich lieb! Ich begehre dich!" interpretiert. (Etwas, worauf gefährdete Frauen früher oder später „abfahren"!)
Das Problem ist generell: Wenn erst mal Gefühle mitmischen, d.h. der „Funke" übergesprungen ist, haben wir die berühmte „rosa Brille" der Verliebtheit auf der Nase und wollen ganz einfach gewisse Alarmzeichen des Alkoholismus nicht (mehr) sehen. Es ist nicht, dass wir es nicht könnten – wir wollen es nicht!
In gewisser Weise spielen uns Gefühle aus der Kindheit, die Sehnsucht nach Geborgenheit und Liebe (die wir vielleicht auch nicht in dem Maße erhalten haben, wie wir sie als Kind gebraucht hätten!) einen Streich und wollen uns weismachen, dass wir an dieser Beziehung festhalten sollten, weil sie es wert ist. Bei Einwänden aus dem Umfeld suchen wir krampfhaft nach Argumenten, die für den „Auserwählten" sprechen, ihn wirklich wertvoll und unverzichtbar für uns machen. Die Vorzüge werden übertrieben hervorgekehrt.
Es ist diese „Selbstbetrugs-Masche", die uns glauben machen will, es sei alles in Ordnung.
Sie funktioniert sehr gut bei Frauen, die als Kind mit einem trinkenden Vater aufgewachsen sind und sich dadurch von ihm übernommene Ansichten wie:
„Ein Mann muss ab und zu einen trinken!" und ähnliches im Kopf festgesetzt haben und sie aufgrund dessen einfach mehr „wegstecken" können und wollen, (Fachausdruck dafür ist „hohe Toleranzschwelle"), als andere Frauen.
Für sie sind „ein paar Bier nicht so schlimm" – noch nicht…
Jemanden nicht gleich bei den ersten Schwierigkeiten aufzugeben, mussten wir vielleicht schon in der Kindheit von unserer Mutter lernen, wenn wir den betrunkenen Vater trotzdem geliebt haben, obwohl er uns so oft enttäuscht und sich einfach sch.... benommen hat.
Wir stufen uns selbst sehr oft als selbst ziemlich wertlos ein und deshalb nehmen wir zu lange zu viel in Kauf, zu Lasten unseres eigenen Ichs, das wir hintenan stellen, weil wir es ja nicht anders gewöhnt waren und sind.
Ich staune oft, wie gelassen solche Frauen zusehen, wenn ihre Männer sich zügig viel zu viele Biere hinter die Binde kippen. Entweder merken sie’s nicht oder sie wollen es nicht wahrhaben aus Angst vor der Einsamkeit, falls eine Trennung unausweichlich werden sollte. Es wird zum absoluten Tabu-Thema. Darüber spricht man nicht, zu niemand.
Es tot zu schweigen, mag im Moment tröstlich sein. Aber es ist fatal - auf die Dauer!
Ich habe mir viel Gedanken drum gemacht und ich habe herausgefunden, dass, wenn man sich erst mal selbst nicht mag und Erlebnisse aus der Kindheit noch hinzukommen, dass man sich in solchen Fällen viel schneller jemanden sucht, den man umsorgen, kontrollieren und „retten" kann. Vielleicht, weil man als Kind hilflos zusehen musste und nichts aktiv dagegen tun konnte, wenn die Stimmung im Elternhaus wieder mal schlimm war.
Automatisch lernt so ein Kinde, im Laufe des Heranwachsens mehr Verantwortung für andere (Geschwister, Mutter) zu übernehmen (als andere Kinder) und sich vielleicht auch deshalb mit sich selbst nicht so gerne beschäftigen mag. Stattdessen gewöhnt es sich an, sein Umfeld zu kontrollieren, denn es hängt ja die eigene Sicherheit mit dran. Später, im geschlechtsreifen Alter dann sucht so ein Mensch sich sehr oft Partner, die eine „echte Aufgabe" als Ersatz für diese innere Leere, die darin besteht, sich übermäßig an einen mit (Sucht)problemen belasteten Menschen zu hängen, um ihn zum Besseren zu bekehren und ihn glücklich zu machen, sozusagen als Ersatz fürs eigene Glück, das man scheinbar nicht finden konnte. Fachleute sagen „Helfersyndrom" dazu.
Dass diese Frauen es später gar nicht mehr so ernst meinen mit dem „Retten" kann man daran erkennen, dass sie, wenn es erst mal so weit ist, sich sehr schnell daran gewöhnen, dass ihr Partner zu viel trinkt und irgendwann gar keine rechte Energie mehr aufbringen können, wirklich etwas daran zu ändern, wenn sie merken, wie schwierig das doch in Wirklichkeit ist. Denn sie stoßen auf Widerstand. Es ist nicht so einfach, wie man es sich als junge, naive Frau vorgestellt hat.
Wer sich also einen alkoholkranken Mann als Partner erwählt, bei dem waren die Weichen meist schon gestellt. Allein nur zu wissen, dass der Geliebte zu viel trinkt, ist für sie aufgrund dessen noch lange kein Grund, die Finger von ihm zu lassen. Man kann es somit schon als eine fast krankhafte Herausforderung für Alkoholiker-Frauen sehen, die sie in die Arme eines Säufers treibt.
Natürlich spielt auch das „Einstiegs"-Alter eine Rolle! Jetzt, mit 57 Jahren, denke ich anders darüber als im Alter von 17 Jahren! Sicherlich war ich damals im Grunde noch ein Kind, der Kindheit beraubt aufgrund der Verhältnisse daheim, ein Kind, welches nur Liebe und Geborgenheit gesucht hat, die es im Elternhaus nicht bekommen hatte… Ein Fall wie tausende!



Ein fataler Kreislauf, dem wir nur entrinnen können, wenn wir darüber nachdenken und herauszufinden versuchen, was uns dazu treibt, uns in den Armen eines Trinkers so wohl zu fühlen. Mehr zum Thema in meinem Buch „Barrieren – Leben mit der Sucht anderer", erhältlich für nur 14,90 € im Verlag
(Dieser Post steht unter der Rubrik „Gedanken". Er soll demnach nur als Denkanstoß verstanden werden. Er stellt keine jedwede Bewertung von Alkoholkranken dar. Alkoholiker sind nicht automatisch weniger wert als andere, die nicht trinken. Jeder Mensch muss im Grunde selbst entscheiden, was er aus seinem Leben macht und wen er sich als Partner erwählt. Wer mit einem Trinker in einer glücklichen Partnerschaft leben möchte und es auf Dauer kann, weil er für sich einen Weg gefunden hat, dann ist es in Ordnung. Er muss daran nicht zwangsläufig etwas ändern. Meine Texte sollen als Wiedergabe von Gedanken und Schilderungen aus eigener Erfahrung verstanden werden. Sie sind weder wissenschaftlich gestützt noch fachlich fundiert – Ausnahme sind die rein fachlichen Posts im Blog wie z.B. „Hilfe und Unterstützung suchen" usw. mit den jeweiligen Quellangaben)










Montag, 23. Januar 2012

Die Nebenbuhlerin

Foto: Röttger Bernd - "Stumme Wächter"


Liebst du einen Mann, der regelmäßig trinkt?
Dann hast du also eine sehr hartnäckige Nebenbuhlerin:

Die Flasche!
Du
 weißt nicht mehr, was in ihm vorgeht?
Du bist verwirrt, wenn er stumm seine Jacke nimmt und geht?
Du bist gekränkt, wenn er kein liebes Wort mehr für dich übrig hat?

Hier sind die Gründe dafür:

Nach ihr sehnt er sich, wenn er tagsüber Stress und Ärger hat.
                Und du wunderst dich, wenn er mit dir nichts (mehr) anfangen kann.

Sie gibt ihm das Gefühl, ein „toller Hirsch“ zu sein.
                Du aber weckst keine echten Gefühle mehr in ihm.

Für sie lügt und betrügt er dich.
                Und du wirst nur zum Narren gehalten.



Sie verhilft ihm am Abend zu schneller Ausgeglichenheit und Entspannung.
                Und du verstehst es nicht, wenn er seine Ruhe will.

Sie schafft es, dass er sich erst so richtig zuhause fühlt!
                Und du machst ihm immer nur Vorhaltungen.

Sie lässt ihn mutig und selbstbewusst handeln.
                Du aber kennst all seine Schwächen…

Sie macht ihn sanft wie ein Lamm und er hat nur noch Augen für sie!
                Und du erlebst ihn allzu oft aggressiv, zynisch und ungerecht.

Sie schafft es, ihn lustig und redselig werden zu lassen.
                Du bist so enttäuscht, weil er dir nichts mehr zu sagen hat.

Weine nicht – das ändert nichts! Handle!

Denn: Die Flasche mag eine starke Nebenbuhlerin sein…
 aber sie ist nicht unbesiegbar! Denn was sie ihm nicht geben kann ist

L I E B E !

M. T. Marquart

Donnerstag, 24. Februar 2011

Blackout für die Liebe


Weiß gar nicht mehr,
wann und wie
ich eigentlich nachhause gekommen bin.

Kann mich nicht erinnern,wo ich überall war,
mit wem ich gesprochen, getrunken
oder... gestritten habe.

Weiß nur noch,
dass ich irgendwann ziemlich betrunken war,
mit einer fremden Frau spät in der Nacht,
in ihr Auto gestiegen und in einer unbekannten Gegend gelandet

und mit zu ihr in die Wohnung gegangen bin.

Dort zog sie mir die Schuhe aus
und warf mich auf ihr Bett,
und der Duft ihres schweren Parfüms
ließ mich all meine Bedenken vergessen
und mich annehmen, ich sei ein toller "Hengst".

Das Glas mit starkem Alkohol in meiner Hand

füllte sich irgendwie wieder von selbst.
Habe ich es nur geträumt,
dass sich diese Frau nackt zu mir legte?
Vage Bilder von unbekannten Zärtlichkeiten
und feuchten Küssen haften noch in meinem Kopf.
Zurück bleibt dieses Gefühl von Schuld und Schäbigkeit.

Habe ich es wirklich mit ihr getrieben?
Ich schäme mich, wenn ich daran denke,
und gleichzeitig fühle ich eine dumpfe Erregung,
süß, verrucht und...
Ekel vor dem, was ich tat
letzte Nacht.
Verdorben, versaut, zerstört ist mit einem Schlag
alles, was mir bisher doch so wichtig war.

Dabei liebe ich meine Frau, ja,
das tue ich wirklich!
Und dennoch muss ich mich jetzt,
wieder nüchtern und klar, verzweifelt fragen:

Habe ich sie tatsächlich letzte Nacht im Suff betrogen?
Und falls ja - mit wem?
Niemand kann mir das je beantworten.
Die Schuld liegt nur bei mir
und nichts auf der Welt
kann mich davon freisprechen.                                  

Wie sehr bereue ich diese letzte Nacht!

Könnte ich die Zeit doch nur zurückdrehen,
dann wär ich gestern so gerne nüchtern geblieben,
dann könnte ich meiner lieben Frau
und meinen süßen Kindern
wieder in ihre lieben Gesichter blicken,
ohne mich für etwas schämen zu müssen,
an das ich mich nicht einmal erinnern kann.
                                             
Ein unbekannter Alkoholiker

Dienstag, 12. Oktober 2010

Suchtehen - Einsamkeit trotz Partner

Einsamkeit...

Photo:  Bernd Röttger - http://www.sheepdog.de/

Ein bitteres Gefühl des Alleinseins,
allein mit dem, was man gerne teilen würde:
Gedanken, Erlebnisse, Meinungen, Momente des Glücks.
Aber auch alleine mit seinen Problemen,
Entscheidungen, Einsichten, mit den dunklen Momenten der Verzweiflung.
Das alles ist Alltag in einer Suchtehe.
Warum?
Weil der süchtige Part in dieser Ehe so sehr
mit sich selbst beschäftigt ist,
dass er für das, was seinen Partner bewegt,
keine Energien, kein Interesse mehr hat.
Die Sucht und der Zwang,
sie ständig befriedigen zu müssen,
macht einen Egoisten aus ihm,
der sich immer weniger um das kümmert,
was in seiner unmittelbaren Umgebung passiert.
Selbst den Menschen, die er eigentlich liebt
oder besser gesagt - einmal geliebt hat,
kann er keine Aufmerksamkeit mehr schenken,
weil zu Zeiten, in denen er nüchtern ist,
der nächste Rausch vorbereitet werden muss.
Und zu Zeiten, in denen er berauscht ist,
einzig und allein der Rausch ihn gefangen nimmt,
mit all seinen Facetten bis hin zum Entzug,
der am anderen Ende unweigerlich auf ihn wartet.
Kann man das verstehen, dass ein solcher Mensch
"keine Zeit" und
"keine Lust" mehr hat,
sich auch noch mit den Wehwehchen
seiner Familie zu belasten?
Deshalb sind wir Partner eines Trinkers oft schrecklich alleine.
Wir tragen die ganze Last und Verwantwortung.
Immerzu warten wir auf einen günstigen Augenblick,
in dem der süchtige Partner vielleicht doch einmal "erreichbar" ist,
freiwillig
bereit wäre, sich mal wieder und in vollem Umfang
mit dem zu befassen, was in der Familie vor sich geht.
Nur, leider warten wir meistens vergebens
und werden erneut zurückgelassen,
mit alldem, was uns bewegt und und belastet,
und was wir so gerne mit ihm teilen würden,
wenn,
ja, wenn nur diese Sucht nicht wäre,
die ihn uns regelmäßig
wieder wegnimmt,
ihn uns "wegsperrt"
und ihn nicht mehr losläßt.
Die Sucht wird zur echten Rivalin.
Ihr schenkt er sein ganzes Leben.
Und wir?
Wir sind einsam.
Wir tragen die ganze Verantwortung -
auch für die Kinder und der Last,
sie zu brauchbaren Menschen zu erziehen.
Im Grunde sind wir ja alleinerziehend.
Wenn nun auch keine Großeltern oder
sonstige Angehörige ihre Unterstützung anbieten,
tragen wir ganz allein die Last
des Familienoberhaupts.

Eine Rolle, auf die wir manchmal sogar stolz sind.
Wenn wir sehen, dass trotzdem alles gut funktioniert,
die Kinder keine Probleme haben, in der Schule gut mitkommen,
wir zufrieden sein können, mit dem, was wir tagtäglich unserem
Einsatz und unserem Organisationstalent zuschreiben können.
Und dennoch...
Oft wird uns bewußt, was uns eigentlich fehlt.
Wenn wir andere, "normale" Familien sehen,
die gemeinsam
etwas unternehmen.
Dann packt uns heißer Neid und tiefe Traurigkeit!
Denn was uns am meisten fehlt, ist die Liebe unseres Partners.

Dann kommen wir wieder an den Punkt,
wo wir am liebsten
alles hinwerfen
und mit unseren Kindern
einfach davonlaufen würden...
Doch irgendwas hält uns fest...
läßt uns festhalten an...?
Woran?
Wir haben es vergessen...
Die Macht der Gewohnheit läßt uns weitermachen,
bis wieder irgendwann der Punkt kommt,
an dem wir alles hinwerfen möchten.
Und wer weiß? Vielleicht gehen wir ja auch -
eines Tages...

Eure
Marie-Therese

Dienstag, 17. August 2010

Vergebung - manchmal sehr schwierig!


Ehrlichkeit und Offenheit sind gerade unter der Problematik der Alkoholsucht in einer Beziehung ein sehr schwieriges Thema!
Verheimlichen und Vertuschen gehört leider zum Krankheitsbild des Alkoholismus. Wer mit einem Trinksüchtigen zusammen ist, kann davon ein Lied singen!
Nicht süchtige Partner haben schwer zu kämpfen mit dieser suchtbedingten Unehrlichkeit, dem Hang des Trinkers, zu verheimlichen und zu verunglimpfen. Besonders schwer zu verkraften ist es, wenn wir uns als Partner auf die "Vereinbarungen" und "Versprechen" verlassen wollen, die getroffen und gemacht wurden. Sehr oft stehen wir vor den Trümmern dessen, was sich im Nachhinein nur als heiße Luft erwiesen hat. Wieder haben wir uns darauf eingelassen, obwohl wir doch eigentlich schon wußten, dass es wahrscheinlich wieder mal nicht eingehalten werden würde.

Dass ein alkoholkranker Partner sich in den meisten Fällen gar nicht an das halten kann, was er zu Zeiten der Reue, der Nüchternheit und des Vorsatzes, sich ändern zu wollen, gemacht hat, verstehen wir nur schlecht. Wir setzen den selben Maßstab an, den wir bei gesunden Mitmenschen ansetzen in der Hoffnung, die Sucht eines Tages besiegen zu können. Und schließlich wollen wir doch den süchtigen Partner auch nicht in Bausch und Bogen als Wortbrüchigen abstempeln und schenken ihm immer wieder aufs Neue Vertrauen, angetrieben von Gefühlen wie Liebe und Verantwortung.

Irgendwann jedoch ist auch unsere Kraft und Geduld am Ende!

Wir fühlen uns komplett verraten und ausgenützt, können dieser Beziehung/Ehe nichts mehr abgewinnen und wenden uns endgültig ab von dem Menschen, der uns ja doch immer nur aufs Neue enttäuscht hat mit seinen trickreichen Ausreden, hohlen Versprechungen und Lügen, die allesamt nur darauf abzuzielen scheinten, uns hinters Licht zu führen.

Dies ist der Punkt, an dem es oft kein Zurück mehr gibt.
An dem alles scheitert.
Der Vertrauensbruch ist endgültig nicht mehr zu kitten.
Der "Narren-Bonus" ist aufgebraucht!
Wir haben gestrichen die Schnauze voll
und wollen endlich einen Schlußstrich unter diese Farce ziehen!


Und wenn dann aber derjenige vor uns steht, und ein letztes, wirklich allerletztes Mal um Vergebung bittet, dann müssen wir die schwierigste Entscheidung unseres Lebens treffen. Und ganz egal, wie wir uns entscheiden, und was die anderen dazu sagen werden, müssen wir zu unserer Entscheidung stehen!

Nur: Irgendwann merkt es auch der Dümmste, dass wir alles mit uns machen lassen und dass unsere Entscheidungen so wackelig sind, wie ein Kartenhaus, das bereits durch den leisesten Luftzug umfällt!Denn unser ganzes Selbstwertgefühl und unsere Achtung vor uns selbst hängt davon ab, wie wir uns entscheiden.

Und diese Entscheidung kann uns niemand abnehmen.
 
 
Eure
Marie-Therese
  

Montag, 10. Mai 2010

Liebe, Treue und Alkohol


www.sheepdog.de                       Fotograf: Bernd Röttger


Angehörige, die einen Alkoholiker lieben, sei es in einer Ehe, Partnerschaft oder Liebesbeziehung, können es immer wieder bestätigen:

Übermäßiger Alkoholgenuss erschüttert auf Dauer jede Liebesbeziehung, umso mehr, wenn gleich beide Partner trinken. Die Gefahr eines Seitensprung ist bekanntermaßen im betrunkenen Zustand wesentlich höher. Wachsendes, gegenseitiges Mißtrauen und rasende Eifersucht sind die Folgen. Keiner weiß, was trinkende Partner im Suff so treiben und wie weit sie zu gehen bereit sind. Meist kann er sich anderntags nur noch bruchstückhaft erinnern, geschweige denn erklären, wie es zu den sexuellen Handlungen ausserhalb der Beziehung gekommen ist. Ein Faktor, der jedes Vertrauen nachhaltig zerstört. Oft ist es sogar so, dass der Alkoholkranke einen absoluten Filmriß hat und es völlig abwegig erscheint, ihn für Geschehenes nachträglich zur Verantwortung zu ziehen. Im Laufe der Zeit sinkt nämlich die sexuelle Hemmschwelle und alles ist "drin"! Typisch übrigens für die Krankheit Alkoholismus. Eine Tatsache, die viele nicht wissen.

Mein Ex hat sogar einmal einer Bedienung im Lokal in meinem Beisein ungeniert in den Drindl-Ausschnitt gegriffen und blitzschnell und vor aller Augen einer ihrer Brüste herausgeholt! Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits einige Gläser Wein intus. Noch einige Jahre zuvor hätte er niemals so etwas getan.
Langjähriger Alkoholmißbrauch überschreitet die moralischen Grenzen im menschlichen Miteinander
Im Suff werden erfahrungsgemäß Sachen gesagt und ausgesprochen, die derjenige nüchtern nie sagen/tun würde. Aus einem heißen Flirt wird im Nu eine echte Unverschämtheit und ungefragt erzählte, schmutzige Witze lösen eigentlich nur Abscheu und Unwillen bei den Anwesenden aus, die in den meisten Fällen nicht flüchten können und ungewollt Zeuge solcher "Darbietungen" werden. Peinlich und obskur! Wer will denn schon auf der gleichen Stufe stehen mit so einer/einem?
Betrunkene Frauen neigen im Gegensatz zu Männern vorwiegend zu unanständigem Benehmen in der Öffentlichkeit. Wie es scheint, hat dies mit der gesellschaftlichen Situation der Frau zu tun, die stets als anständig und gesittet aufzutreten hat. Da zieht sich schon dieselbe Lady mitten auf der Tanzfläche plötzlich aus, die vor zwei Stunden elegant und entsprechend arrogant das Lokal betreten hat. Tja, wer hätte das von ihr geglaubt? Moralverlust...

Kein Wunder, dass der nächste, massive Streit nach solchen Szenen vorprogrammiert ist. Mit jedem moralischen Ausrutscher in der Beziehung geht ein großes Stück Vertrauen und Gemeinsamkeit den Bach hinunter. Die Trennung ist irgendwann unausweichlich, denn allein die Vorstellung der Untreue im Rausch läßt den anderen, der dennoch liebt, schier verzweifeln. Denn was hilfts, dass der (nur) nüchtern treu bleiben kann??

Der Griff zur Flasche und sexuelle Untreue gehen oft gemeinsame Wege, auf die eine oder andere Art. Vielleicht, so habe ich mich gefragt, bietet gerade diese Ungezügeltheit und Enthemmung einen gewissen Anreiz beim Alkoholgenuß, wenn sie auch beim Mann körperlich oft unerfüllt bleibt, so findet sie zumindest in Worten und im Kopf statt. Langjährige Alkoholiker kriegen bekanntlich "keinen mehr hoch". Und je unfähiger im Bett umso lasterhafter und ordinärer das Benehmen, wenn wieder mal einer "in der Krone" sitzt. Ein Erscheinungsbild, dass wir alle kennen!

Ich konnte bei mir auch noch ein weiteres Phaenomen beobachten:
Hatte sich mein Partner freiwillig zur Abstinenz verpflichtet, so empfand ich einen Rückfall in den Suff ähnlich wie einen Seitensprung des Partners. Ich fühlte mich maßlos verraten und für dumm verkauft!
Ich ging in Konkurrenz mit dem Alkohol! Er hatte mir doch versprochen, nichts mehr zu trinken, ist gleichzusetzen mit dem Versprechen, treu zu bleiben.
Ein Verrat der anderen Art.

Was, fragte ich mich, ist ihm wichtiger? Ich oder der Schnaps?

Natürlich letzteres! Welche Frage! Nur...
Ich wußte nicht, dass er nicht anders konnte, nahm es total persönlich!
Suchte womöglich bei mir selbst den Auslöser für diesen (erneuten) Verrat!

Er hätte genausogut mit einer anderen....
Hintergangen zu werden, tut so weh!
Welch dummer Ehrgeiz!
Ich konnte nicht loslassen. Lernte nie, los zu lassen.
Klammern, festhalten, zurechtbiegen, einen anderen Menschen aus ihm machen wollen...
Das alles hatte einen ungemein hohen Stellenwert für mich.

Nur, dass hierbei die Liebe ebenfalls auf der Strecke blieb...
Die Liebe, die eigentlich die Antriebsfeder war für all die Opfer und den Verzicht.
Eine bittere Erfahrung.
Denn da, wo auf Dauer der Suff regiert, hat die Liebe oft verspielt.

Es sei denn, Du übst einmal echten Druck aus und prüfst, ob es sich noch lohnt,
bei diesem Menschen auszuharren, dem das zügellose Leben mehr bedeutet,
als die Tatsache, dass Du ihn (immer noch) liebst.

Check it out!
Es liegt an Dir, aber nur, wenn Dir etwas daran liegt...

Herzlichst
Eure Marie-Therese
Beziehungskrise, Treulosigkeit, Alkoholsucht, Moralischer Verfall, Trunksucht, Seitensprung, Zügellosigkeit, Untreue, Angehörige von Alkoholikern, alkoholkrank, Unanständigkeit, Schmutzige Witze, Eifersucht.

Montag, 1. März 2010

Liebe und Leid - gehören sie zusammen?



Quelle Foto: www.pixelio.de     Fotograf: Harry Hautumm

Für manche Menschen, in vielen Fällen sind es Frauen, muss Liebe immer irgendwie mit Leid - wir sagen heutzutage "Stress" verbunden sein. Beziehungen, die unkompliziert und eher harmonisch verlaufen, sind auf Dauer nichts für sie.

Denn unbewußt suchen Sie stets nach einem Partner, der ihnen "Aufgaben" stellt, dessen Charakter eher etwas Undurchschaubares, Geheimnisvolles in sich birgt, der für sie eine Art "harte Nuß" ist, die erst einmal "geknackt" werden will. Irgendwelche irrigen Erfahrungen im Leben lassen sie glauben, dass man sich eine gute Beziehung erst erarbeiten, verdienen muss.
Männer/Frauen, die allzuleicht "zu haben" sind, die ihnen regelrecht "nachlaufen", üben keine echte Anziehungkraft auf sie aus, wirken eher langweilig auf sie.

Sie glauben, dass sie erst dann, wenn sie für ihre Liebe richtig kämpfen müssen, diese einen echten und nachhaltigen Wert für sie haben kann.

Sie suchen instinktiv nach Problembeziehungen und brauchen Beziehungsprobleme, um ständig damit beschäftigt sein zu können.
Sie wollen es ihrem eigenen Verdienst zuschreiben, wenn der andere ohne sie nicht mehr "leben" kann.
Das gibt ihnen was. Das macht sie vor sich selbst wertvoll und wichtig.
Und: Es lenkt von den eigenen Problemen, die man mit sich selbst hat, ab.

Stecken sie dann drin, in der problemgeladenen Beziehung, fangen sie an zu kontrollieren und zu betreuen. Sie "kümmern" sich ständig und zwanghaft um ihren Partner, versuchen ihn zu lenken zu beeinflussen. "Manipulieren" sagen die Psychologen dazu. Ich nenne es ganz einfach "betreuen".

Häufig sind es von Natur aus eher Frauen, denen das Betreuen durch ihre Geschlechterrolle bereits in die Wiege gelegt wurde. Um möglichst fürs ganze Leben etwas Nachhaltiges zum Betreuen zu haben, suchen sich diese "Partner-Betreuer" sehr oft Menschen, die von Süchten abhängig sind, die für sie somit eine dauerhafte, echte Aufgabe darstellen.

Sie möchten für ihn/sie Retter(in) sein, einen Menschen "bekehren", ihm einen Sinn im Leben geben. Das gibt ihnen selbst auch einen echten Sinn im Leben. Sie haben eine verantwortungsvolle Aufgabe, die sie ständig auf Trab hält.

An dieser Aufgabe scheitern jedoch die meisten "Partner-Betreuer".


Sie erkennen irgendwann, dass sie sich damit zuviel aufgehalst haben.
Sie merken, dass sich die Dinge und Ereignisse verselbständigen.
Sie fangen an, darunter zu leiden, wenn die Entwicklung in eine völlig andere Richtung geht und ihre Bemühungen im Grunde ins Leere laufen.
Sie haben keinen Einfluß mehr auf die scheinbar unplausiblen Rückfälle
ihrer süchtigen Partner, die meist aus heiterem Himmel über die Partnerschaft hereinbrechen. 
Sie schreiben sich diese Ereignisse selbst zu und tragen dafür bereitwillig die Verantwortung. Sie glauben nämlich, sie hätten versagt, nicht genügend betreut, nicht gründlich genug kontrolliert und nicht nachhaltig genug beeinflußt.

Manche halten an einer solchen fatalen Suchtbeziehung hartnäckig fest, aus der Überzeugung heraus, dass sie in erster Linie einen Erfolg zu erzielen und diese Aufgabe "zu Ende" zu führen hätten.

Andere wiederum trennen sich, um sich anschließend erneut in eine vergleichbare Problem-Beziehung zu stürzen. Das Spiel beginnt von vorne, nur eben mit neuen Darstellern.

Es sind immer wieder die gleichen Muster, die gleiche Art von Partner.

Vergleichbar mit Sender und Antenne, die sich gegenseitig ständig anpeilen, finden solche gleichen Partnerkonstellationen mühelos zusammen.

Der "Partner-Betreuer" sucht nach einem "Rettungsobjekt", das er so lange aufopfernd betreut, bis es ohne ihn nicht mehr leben kann:
"Ohne mich hätte er/sie sich längst zu Tode getrunken!", hört man häufig aus ihrem Munde und mit ständigen Erzählungen und Schilderungen ihres aufopfernden Lebens wollen sie auch im näheren Umfeld Anerkennung für ihre "Verdienste" einheimsen.

Der Betreute selbst hingegen sucht seinerseits gezielt nach Partnern, die ihn bereitwillig betreuen und bemuttern möchten, damit er diese für seine Bedürftnisse gewinnen und einspannen kann. So sichert er sich langfristig deren Erfüllung. Dafür muss er nicht viel tun. Hilfsbedürftig und anschmiegsam zu wirken, genügt meist vollauf! Ein ausgeprägtes Anlehnungsbedürfnis läßt die potenziellen "Partner-Betreuer" glauben, sie bekämen als Lohn für ihre Arbeit reichlich Liebe. Jedoch das genaue Gegenteil ist der Fall!

Sie nehmen Liebe, können aber meist selbst keine geben. Sie haben es nicht gelernt, zu lieben. Sie wollen nur geliebt werden!

Eigentlich könnte man meinen, dass diese Beziehungen gar nicht so schlecht sein können, findet doch jeder das, was er scheinbar braucht.

Das Problem dabei ist jedoch, dass beide voneinander abhängig werden.
Keiner kann ohne den anderen leben. Es ist so, als saugten sie sich gegenseitig aus - "Gefühlsvampire" könnte man sie nennen.

Und irgendwann sind beide leer und ohne Lebensenergie.
Ihre Beziehung macht sie krank.

Dieses Muster bei sich selbst zu erkennen, ist sehr schwer.

Die meisten "Partner-Betreuer" wollen es einfach nicht wahrhaben, dass sie diese Verhaltensweisen tatsächlich praktizieren. Sie suchen vielmehr nach "edlen" Beweggründen, nach Entschuldigungen und selbst konstruierten Schlußfolgerungen, die einzig und allein dazu dienen, nicht loslassen zu müssen.

Suchtbeziehungen und Familien sind vergleichbar mit einem Mobile, bei dem jeder an jedem hängt. Auch Kinder aus solchen Beziehungen "lernen" schon in jungen Jahren perfekt die "Betreuer"-Rolle. Vorbild ist der der Betreuer-Elternteil, der es vormacht, wie man "richtig gut betreut".

"Helfersyndrom" nennt der Psychologe es. Die Kinder übertragen es auf ihre späteren, eigenen Beziehungen - das Spiel beginnt von vorne.

Verlieren "Partner-Betreuer" das Ziel ihrer Bemühungen - den betreuten Partner, etwa durch Scheidung oder gar durch Tod, fallen sie selbst sehr oft in ein tiefes, seelisches Loch und haben scheinbar den Sinn ihres Lebens verloren.

Das Umfeld glaubt, nun könne alles besser werden im Leben der "Partner-Betreuer", denn nun könnten sie endlich ihr eigenes Leben leben.
Doch dieses eigene Leben gibt es längst nicht mehr. Alles war nur auf das "Betreuen" und Kontrollieren ausgerichtet. Eine echte Katastophe im Leben eines "Betreuers", der ja nichts anderes mehr kannte.

Blicken wir einmal auf unsere Ehe, unsere eigene Beziehung.
Könnte es auch für uns zutreffen?
Wer könnte uns dabei helfen, dies objektiv zu beurteilen und wie können wir aus diesem Teufelskreis entfliehen?

Suchtberatungsstellen und Selbsthilfegruppen für Angehörige von Suchtkranken helfen bei der Suche nach neuen Wegen und verhelfen zu einer objektiven Sichtweise der eigenen Situation, zu der wir alleine sehr oft nicht mehr fähig sind, weil unsere Gefühle und Gewohnheiten uns derartig "eingesponnen" haben, dass wir es uns anders eigentlich gar nicht mehr vorstellen können.

Schon der Gedanke, dies alles nicht mehr haben zu können, macht uns Angst.
Eine Situation genauer auszuleuchten, muss ja nicht zwangsläufig bedeuten, dass wir uns sofort trennen, uns scheiden lassen sollen.


Doch schon die Bereitschaft, Fachleuten einen unbeschönigten Einblick in seine eigene Lebenssituation zu gewähren, um herauszufinden, ob wir vielleicht etwas ändern sollten, ist der erste Schritt, um einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden.

Zugegebenermaßen nicht einfach für "Betreuer-Partner", die es im Laufe ihres Lebens gelernt haben, ihre Beziehungs-Probleme lieber für sich zu behalten.

Vielleicht stellt dieser erste Schritt, seine "Story" offenzulegen, ebenfalls eine echte Chance dar, dem süchtigen Partner mit professioneller Hilfe einen Weg aus der Sucht zu zeigen, wenn sein "Betreuer-Partner" dies erstmals zuläßt.

Denn jemanden zu betreuen, heißt auch, großen Einfluss auf ihn zu nehmen, entweder dahingehend, nichts verändern zu wollen, um das kranke Muster beizubehalten, oder sich eben zu öffnen für die Veränderung.
Chance für ein neues Leben.

Somit wäre beiden geholfen.

Der Weg ist frei in ein freies Leben - ohne Abhängigkeiten.
Grund genug, einmal in Ruhe darüber nachzudenken.

Herzlichst,

eure
Marie-Therese