Sonntag, 4. Dezember 2016

Ohne Vater aufwachsen...


Ohne Vater aufwachsen zu müssen, war für mich persönlich zunächst normal.
Als Kind wußte ich es nicht besser.
Ich vermisste nichts.
Ich  hatte nur Mutter.
Meist reagierte sie völlig übersteigert und war viel zu streng.
Wohl hatte sie die Befürchtung, es könne aus mir nichts richtiges werden, ohne Vater. Allein deshalb hatte sie wohl den inneren Zwang, mich zu sehr zu kontrollieren.

Meist flippte sie regelrecht aus, wenn ich einmal etwas angestellt hatte und griff zum hölzernen Kochlöffel, um mich zu züchtigen. Dann trieb sie mich durchs ganze Haus und schlug mich grün und blau. Ich gewöhnte mich im Laufe der Zeit daran, geschlagen zu werden und wurde regelrecht verstockt. Ich ließ die Schläge ohne einen Laut von mir zu geben, auf mich einprasseln um sie anschließend von unten herauf mit vorwurfsvollem Blick anzustarren. Diesen Blick konnte sie nicht ertragen und sie schlug mich ab diesem Tag nicht mehr so oft.

Bildquelle: Pixelio - Johanna Ziegler
Oft mit den Nerven am Ende, konnte sie die finanzielle Belastung, ein Kind ohne geregeltes Einkommen aufzuziehen, auf Dauer nur schwer ertragen.
Obwohl sie selbst einen brutalen, prügelnden Vater gehabt hatte, vermißte sie ein damals gesellschaftlich wichtiges, männliches Oberhaupt in der Familie, den "Fels in der Brandung", den beschützenden Mann, der sich bewachend vor Frau und Kind stellte. Das war ihr Zwispalt im Umgang mit Männern, wie ich später als Erwachsene herausfand.
Ohne Mann war und ist man auch noch heute in Deutschland relativ schutzlos und allen möglichen üblen Nachreden, Gaunereien und Angriffen und nicht zu letzt dem Spott und der Lächerlichkeit preisgegeben unter dem Motto:
"Mit der stimmt doch was nicht! Sie hat nichtmal einen Vater fürs Kind...!"

Nach den wahren Gründen fragen die wenigsten.
Üble Vermutungen und  Aburteilungen sind noch immer die Regel.
Die Welt da draußen nützt es voll aus, wenn kein Mann der Familie "vorsteht".
Als Frau wird man einfach nicht für voll genommen...
Als alleinerziehende Mutter ist man eine Art von Freiwild für die Gesellschaft, eine "Geschiedene" wird noch immer von vorne herein als vermutlich zänkisch oder gar als untreu abgestempelt. Was das anrichtet, ahnen die wenigsten.

Als Kind versteht man das alles natürlich nicht.
Kinder sind so lange davon unberührt, bis sie - ohne es zu merken oder zu begreifen - später in der Schule zur zweiten Garnitur gehören.
Das spüren Kinder sehr wohl...
Mit nur einem Elternteil aufzuwachsen, ist absolut nicht normal.
Man spürt, dass man selbst etwas Wichtiges nicht aufweisen kann: DEN VATER!
Ein Kind braucht ganz gewiß beide Elternteile!
Natürlich kann man es meist nicht ändern.
Es ist nunmal so.
Ein Vater ist nicht da - Basta!

Die einseitige Erziehung - nur Mutter - oder auch nur Vater - überfordern ein Kind. Beide Geschlechtervertreter in dieser dualen Welt sind aber äußerst wichtig für ein Kind in der Familie und im täglichen Alltag.

Ich persönlich habe keine Vorurteile gegen gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften. Dennoch halte ich absolut nichts davon, wenn Kinder in homosexuellen Lebensgemeinschaften aufwachsen. Es ist unnatürlich und von der Natur nicht vorgesehen. Es ist noch nicht absehbar, welche gesellschaftlichen Folgen dies haben wird.

Ein Kind übt am Vater und an der Mutter die spätere Rolle als Erwachsener.
Grollt der eine, kann man Schutz beim andern suchen.
Die Emotionen können ausgelebt werden und es ist wichtig, die Resonanz dieser Gefühle von beiden Elternteilen zu erhalten.

Wenn einem Mädchen der Vater fehlt, kann es später nie sicher sein, ob seine Gefühle zu einem Mann echt sind. und es kann nicht austesten, wie es ist, mit einem Mann zu kokettieren, um seine eigene Wirkung auf Männer auf spielerische Weise zu üben unter dem Schutzmantel der väterlichen Liebe.
Es wird stets irgendwie im Zweifel sein darüber, wie es selbst beim anderen Geschlecht "ankommt". Unsicherheit macht sich breit.

Umgekehrt der Junge mit der Mutter. Eifersucht und Stellenwert bei Frauen wird "erprobt". Das Selbstwertgefühl baut sich auf und es wird schon jetzt der emotionale Grundstein gelegt für die spätere, unverklemmte Sexualität auf Basis dieser plantonischen Liebe zu Mutter und Vater.

Ich hätte einen Vater so nötig gehabt. Heute weiß ich das.
Ich erinnere mich noch gut daran: Immer wenn ein Mann im Hause war - ein Nachbar oder ein Handwerker, der bei uns im Haus irgendwas zu reparierten hatte, fing ich an, mit diesem zu flirten, so wie kleine Mädchen eben "flirten". Ich plapperte kokett drauf los, bis Mutter mir einfach  den Mund verbot. Natürlich wehrte keiner das kleine, süße  Mädchen ab und niemand fand etwas dabei.

War der männliche Besuch dann wieder weg, fühlte ich mich traurig und "verlassen". Ich hatte keinen Zuhöhrer mehr und ich begann zumindest zu ahnen, dass bei uns ein männliches Familienmitglied fehlte.  Es herrschte plötzlich eine ganz andere, heitere Stimmung, war ein Mann im Haus, wenn auch nur vorübergehend.
Ein Vater ist sehr wichtig für Mädchen.

Vielleicht war bei mir deshalb die Toleranzschwelle für Männer und deren Verhalten mir gegenüber viel zu niedrig angesetzt. Vielleicht konnte und wollte ich mich einfach nicht gegen männliche Ungerechtigkeit zur Wehr setzen, nicht gegen das Suchtverhalten meines Mannes vorgehen. Ich ließ ihn lieber gewähren, aus Angst, ich könnte ihn vertreiben und anschließend wieder ohne Mann dastehen, genau wie damals als Kind...

Niemand kann es sich im Leben aussuchen. Ob wir mit oder ohne Vater aufwachsen, können wir leider nicht beeinflussen. Es prägt uns unbewußt und wir müssen schon als Kind lernen, mit diesem einen Elternteil auszukommen. Neidvoll blickte ich auf andere Kinder, die zuhause Mama und Papa hatten, einmal zu dem einen, dann wieder zum anderen laufen konnten, um etwas zu erreichen. Ich hatte zuhause nur die unerbittliche Mutter, die überstreng lieber erstmal alles verbot, bevor sie etwas erlaubte.

Vielleicht aber habe ich gerade deshalb lernen müssen, Entscheidungen alleine zu treffen, Schwierigkeiten alleine zu bewältigen, schon früh auf eigenen Beinen zu stehen.

Betrachten wir die Folgen der heutigen, modernen Familienmodelle:
Allein erziehende Eltern gibt es inzwischen immer mehr in Deutschland. Kleinfamilien haben nach wie vor einen schweren Stand. Hilfe und Unterstützung erhalten sie nicht oder zumindest nur wenig. Dass die Berufstätigkeit und die Kinderbetreuung meist sehr schwer unter einen Hut zu bringen sind, interessiert unsere Regierung wenig. Es herrscht der "Selbst-schuld"-Dünkel und im Grunde denkt sich jeder: Wird schon selbst einiges dazu beigetragen haben, dass sie/er jetzt in dieser Situation ist...!"

Man sollte dabei eines nicht vergessen: Es kann jedem passieren, dass er aufgrund widriger Umstände von heute auf morgen alleine da steht mit seinem Kind. Wer wünscht sich denn schon so eine Lebenssituation 
Alleinerziehende rangieren in der Gesellschaft unter "Familien 2. Klasse" und müssen sich damit abfinden. Die Leidtragenden dabei sind meist die Kinder.

Leider hatte ich darüberhinaus auch keine Großeltern.
Das kam erschwerend hinzu.
Wie oft wünschte ich mir inbrünstig eine liebevolle, beschwichtigende Oma oder einen gütigen Opa! Etwas, dass andere Kinder als selbstverständlich erachteten. So lernte ich, mich auf mich selbst zu verlassen. Ich ging allein auf Streifzug und unterhielt mich lieber mit Tieren. Sie waren mein Ersatz für fehlende Zuwendung der Erwachsenen.
Ich würde mir wünschen, dass das Modell der Mehrgenerationenfamilie eine Renaissance erlebte. Dass Alt und Jung wieder unter einem Dach leben, sich gegenseitig unterstützen und helfen. Dass wir wieder lernen, mehr Vertrauen zueinander zu haben und einer dem anderen wieder mehr Raum gibt in seinem Leben, gepaart mit Verständnis und Toleranz füreinander. Dann bräuchten die Alten kein Altersheim und die Kleinsten keine Kita's. Die Jungen wären in Krisensituationen und den mannigfaltigen Problemen der heutigen, oft schwierigen Zeit nicht mehr komplett auf sich alleine gestellt. Der eine profitiert von den Erfahrungen der anderen. Die Alten bleiben länger jung und die Jungen können ihre Kinder getrost den Alten überlassen und sind gewiß, dass sie liebevoll betreut werden. Und diese schrecklichen KiTa's hätten ausgedient!

Ich persönlich finde es übrigens furchtbar, dass man kleine Babys wildfremden Menschen überantwortet, die nur betreuen und versorgen. Keine herzliche Fürsorge, keine mütterliche Liebe, kein Wort es Trostes von vertrauten Menschen...
Dass man so etwas tut, will ich nicht akzeptieren. Notsituationen selbstverständlich ausgenommen.

Welche Gesellschaft resultiert aus diesem Fremd-Betreuungs-Konzept?
Wofür setzen wir denn überhaupt noch Kinder in die Welt?
Um sie dann nach einigen, schnellen Monaten nach der Geburt fast schon erleichtert wieder abgeben zu können?
Haben wir die Schnauze schon wieder voll vom MUTTERSEIN?
Wo liegt darin der Sinn?
Konnten wir nicht schon vor der Zeugung des Kindes besser planen, um für es da sein zu können, so lange es uns wirklich nötig hat?
 
Ist es unsere schnelllebige Zeit, die es uns verwehren will, sich dauerhaft und ohne weiteres über Jahre hinweg und ohne schlechtes Gefühl um unseren Nachwuchs zu kümmern und ihn liebevoll großzuziehen? Was spricht dagegen?
 
Ich frage mich: Was soll aus diesen Menschlein werden, die schon als Baby "abgegeben" werden und auf diese bittere Weise lernen müssen, dass die Mama immer nur temporär zur Verfügung steht und dass es Tag für Tag unvermeidlich immer wieder geschieht, dass es erneut und hilflos zurückgelassen wird und selbst so gar keinen Einfluss darauf hat.

Was machen Verlassenheitsängste mit einem jungen Lebewesen?
Jeder, der im Leben als Kind unfreiwillig bei jemandem "gelassen" wurde, weiß, wovon ich spreche...  Wir finden es furchtbar, verlassen zu werden!

WARUM TUN WIR DAS DANN UNSEREN KINDERN AN????
 
Das URVERTRAUEN geht verloren. Das wichtigste Gefühl, dass ein kleiner Mensch fühlen dürfen sollte!  

Vielleicht schaffen wir es ja und erkennen alsbald, dass DAS nicht der richtige Weg ist, eine Familie zu gründen und zu verwirklichen! Denn das Wichtigste im Leben ist die Gewissheit, dass ich nicht alleine bin und ich im Rahmen einer Familie die Geborgenheit erleben darf und weiß, dass ich immer jemanden an meiner Seite habe, der mich liebt und mir hilft, wenn ich Verständnis, Hilfe und Zuspruch brauche!

Dass wir zu diesem Konzept alsbald zurückkehren werden, dass wünscht sich


Eure Marie-Therese


 



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