Dienstag, 23. Juli 2013

Abgestürzt! Rückfall - wie damit umgehen?


Jemand ist abgestürzt.
Jemand, den wir mögen.
Vielleicht sogar jemand, den wir lieben.

Ein Sturz geht immer mit Verletzungen einher.

Abstürze in die Sucht - Rückfälle -
verletzen nicht nur denjenigen, der abgestützt ist,
sondern auch die, die sich um ihn sorgen, ihn beschützen,
ihn "kontrollieren".

Sie stützen gemeinsam mit ihm ab.

Es ist, als ginge die Welt unter.
Alle Hoffnung, die man in denjenigen gesetzt hatte,
ist mit einem Schlag zunichte.
Man ist geschockt!
Man ist unsagbar von der Person enttäuscht!
Man fühlt sich betrogen, verarscht.
War alles umsonst?, fragt man sich.
Man sucht die Schuld bei sich selbst.
Was habe ich übersehen?
Gab es Vorzeichen?
Was habe ich als Angehörige/Partner falsch gemacht?
Hätte ich es verhindern können?

All diese Fragen bringen uns nicht weiter.
Sie ändern an der Tatsache nichts,
dass nun alles wieder von vorne beginnt.

Man sollte folgendes wissen:

Ein Rückfall ist nicht bei jedem gleich.
Sucht spielt sich auf vielen Ebenen ab.
Physische, psychische und gesellschaftliche Faktoren und Auslöser.

Was mache ich als Angehörige/r?
Machen Sie auch dem Trinker nun keine Vorwürfe!
Versuchen Sie, mit ihm in Ruhe über seine Sorgen
und Probleme zu sprechen.
Ermutigen Sie ihn, zum Rückfall zu stehen.
Der Trinker sucht immer Gründe zum Trinken,
aber es gibt keinen Grund wieder anzufangen.
Versuchen Sie dies dem Alkoholkranken zu erklären,
führen Sie Gründe auf, die gegen das Trinken sprechen.

Der sofortige Rückfall

Manche Alkoholkranke haben nach einer Zeit der Abstinenz
ein starkes Verlangen nach Entspannung und Erleichterung.
Hat sich das Gedankenspiel (soll ich trinken oder nicht?)
letztlich zum ersten Schluck durchgesetzt,
gibt es kein Halten mehr.
Es wird hemmungslos getrunken,
bis die eventuelle Zufriedenheit wieder da ist.
Das heißt im Klartext, nur starkes "Volllaufenlassen"
kann die vermeintliche volle Befriedigung schenken.
Der Alkoholkranke hat Nachholbedarf.

Der stufenweise Rückfall

Er beginnt wie der sofortige Rückfall.
Doch meist können die Betroffenen ziemlich schnell
wieder von der Droge ablassen.
Jedoch in Gedanken malt sich der Betroffene wieder aus,
wie schön es sein könnte,
wieder Entspannung zu finden
und greift wieder zur Flasche.

Meist liegen zwischen dem ersten und zweiten Rückfall Wochen.
Jetzt werden jedoch die Abstände
zwischen den einzelnen Rückfällen
immer kürzer und irgendwann
wird jeglicher Widerstand aufgegeben.
Der Alkoholkranke fällt in sein altes Trinkverhalten zurück.

Der schleichende Rückfall

Es gibt Alkoholkranke, die irgendwann meinen,
wieder kontrolliert trinken zu können.
Folgendes Beispiel soll
den schleichenden Rückfall verdeutlichen:
Herr X hat vor einem halben Jahr
seine Langzeittherapie abgeschlossen.
Abends besucht er nach wie vor
regelmäßig seine Skatrunde im Gasthaus.
Seit seiner Therapie
hat er dort immer Wasser getrunken.
An einem Abend,
als es besonders fröhlich und ausgelassen zuging,
bestellte er sich ein Bier.
Es blieb auch bei diesem Bier.
Da es ja nun einmal gut gegangen ist,
bestellte sich Herr X fortan jeden Abend
zum Stammtisch ein Bier.
Das ging über Wochen gut.
In dieser Zeit erlebte Herr X jedoch
in sich einen gewaltigen Druck.
Könnte er nicht, wie die anderen auch,
zwei oder drei Bier trinken?
Er verwarf diese Gedanken wieder,
weil er ja wusste, was damals mit ihm passiert war,
als er mehr getrunken hat.
Mit der Zeit wurde jedoch der Wunsch nach mehr zur Quälerei.
Er gab dem Wunsch nach
und verfiel wieder in sein früheres Trinkmuster.











Krankheit als Chance

"Wolkenbruch" von M.T. Marquart


So lange wir gesund sind,
scheren wir uns einen Teufel darum,wie es sich anfühlt, wenn man krank wird.

Wir verschwenden nicht nur keinen Gedanken daran,
(warum auch?)
sondern wir schieben das Thema weit von uns.

Der Anblick kranker Menschen
lässt uns schaudern, macht uns Angst.
Wir können uns gar nicht vorstellen, wie es ist, 
JETZT selbst krank zu sein.

Das ist wie an schlechtes Wetter denken,
wenn gerade die Sonne scheint.

Wir Menschen sind so.
Wir leben dahin und wertschätzen nicht das Gute,
das wir JETZT haben.
Es ist selbstverständlich geworden.
Es "steht uns zu".
Wir nehmen es hin und denken nicht weiter darüber nach.
Wir ignorieren alles, was damit zu tun hat.
Wir gehen dem Thema aus dem Weg.

Und dann kommt plötzlich zu uns eine

Krankheit.

Krankheit zeigt uns erst, 
wie wertvoll das (gesunde) Leben sein kann,
Krankheit bringt uns die Menschen näher,
die uns lieben.
Die anderen bleiben ohnehin weg.

Krankheit stellt uns ruhig.
Sie bringt uns zum Nachdenken.
Sie lässt das Leben langsamer ablaufen.
Wir betrachten uns und unsere Umgebung
mit völlig anderen Augen.
Die Gesunden, die sind da draußen,
sind mitten im Leben.
Ich aber bin hier drin.

Zunächst sind wir geschockt.
Wir sind KRANK!
Warum ausgerechnet ich?
Ein Umstand, den gerade gestresste Menschen
nur schwer akzeptieren können.
Ungeduldig fiebern wir der Genesung entgegen,
von der wir aber nicht wissen,
wann sie sich einstellen wird.

Bis "da draußen" bekannt wird,
dass wir krank sind,
sind wir oft einsam.

Ja, kommt denn keiner vorbei, um nach mir zu sehen?
So fragen wir uns dann verzweifelt.
Und die Stille drückt wie Blei auf uns,
isoliert uns und macht uns nachdenklich.

Da hilf auch kein Fernseher.
Und kein Radio.
Beides können wir gerade überhaupt nicht ertragen!
"Die tun alle so, als wäre ich gesund!"
denken wir und sind wieder
allein mit unserer Krankheit.

Manche fühlen sich wieder wie ein Kind,
dass auf Fürsorge und Zuwendung angewiesen ist.
Schrecklich!

Und dann kommt die Entspannung.
Wir finden uns ab damit, dass wir nun eben krank sind,
und es vielleicht auch noch einige Tage bleiben werden,
manche vielleicht auf unbestimmte Zeit.

Es liegt in Gottes Hand,
wann wir wieder gesund werden dürfen.
Und vielleicht können wir selbst ja auch etwas dazu beitragen?

Ruhig halten. Still sein. Unsere Medizin einnehmen.
Schlafen...
Den Schmerz bewältigen.
Die Krankheit als solche akzeptieren,
um wieder gesund zu werden.
Um wieder wertschätzen zu können,
wie schön es doch ist, 

GESUND

zu sein und wir tun viel, um es auch zu bleiben.
Halten uns an das, was der Arzt,
der Therapeut gesagt hat.
Und dann ist es soweit.
Wir sind wieder gesund.
Gehen nach draußen und sind wieder da!

Und das Glück, wieder am Leben teilnehmen zu dürfen,
sprengt uns fast die Brust.
Wir würden es nur nie zugeben!

Wir wollen alles zerreißen,
alles nachholen,
was wir durch Krankheit versäumt haben.

Und wir stürzen uns in die Arbeit,
so, als wäre nie etwas gewesen.

Ab und zu "verschwenden" wir einen flüchtigen,
klitzekleinen Gedanken an KRANKHEIT.
Und die tristen Tage und Wochen
sind für einige  Sekunden wieder präsent.

Aber dann schieben wir diese Bilder ganz schnell von uns.
Denn wir wollen uns JETZT nicht mehr vorstellen,
wie es noch vor kurzem war, krank zu sein.

Bleibt schön gesund!




Herzlichst
Eure Marie-Therese


































Coabhängiges Verhalten - woran erkennt man es?

Bildquellenangabe:   Uta Herbert - pixelio.de Der Mann Deiner Schwester, Deiner Freundin...