Sonntag, 20. Dezember 2015

Alkohol zu Weihnachten?

Fotograf: Marko Gröning  / pixelio.de

Warum wird an den Feiertagen verstärkt getrunken?
Festtage sind ein willkommenes Alibi um zu trinken.

Daran habe ich damals, als ich mit einem trinkenden Mann verheiratet war, zu allerletzt gedacht.
Dass Weihnachten tatsächlich ein Vorwand wäre, um planlos zu saufen, kam mir gar nicht in den Sinn!
So naiv war ich.

Weihnachtsfeiern, Einladungen, der Hl. Abend...
Überall wird getrunken.

Toll!

Es fällt nicht auf, wenn man viel trinkt. Alle tun es ja.
Erst, wenn man mit dem Kopf auf dem Tisch liegt, wird's peinlich.
Möglichst sieht man zu, dass man vorher irgendwie nachhause kommt.

Wie es dann dort vor der Familie aussieht, ist egal.
Die eigene Familie kennt einen ja schon zur Genüge!
Keiner wundert sich, wenn man bereits nachmittags um vier besoffen auf dem Sofa pennt.

Wie das ankommt bei den Kindern?
Wie das nachhaltig die Stimmung zerstört?
Wie fühlt sich das an, wenn die jährlich liebevoll aufgebaute Krippe als "Kasperltheater" und das Singen von Weihnachtsliedern als lästiges Geplärre verhöhnt werden?
Er will auch keine Flötenmusik hören und meckert, wenn man sich mal verspielt.

Wie enttäuscht man ist, wenn Papi keine Lust hat, mit den Kindern die neuen Spielsachen zu bewundern,
mit ihnen zu spielen? Dem Papi ist das alles wurscht! Er ist gedanklich abwesend und riecht ekelhaft nach Alkohol.

Während alle andächtig zuhören, wenn Mutti die  Weihnachtsgeschichte vorliest, ist Papi längst eingeschlafen und schnarcht zu allem Überfluss auch noch so laut, dass man Mami kaum noch hören kann.

Wehe, wenn er geweckt wird, weil die Kinder zu laut spielen!
Da ist man lieber leise und verhält sich still, um den Vater nicht zu reizen und um ja keine schlimme Szene an Weihnachten herauf zu beschwören!
Andacht und Besinnlichkeit haben keinen Stellenwert mehr.
Es reduziert sich auf das Saufen.


So weit weg von der biblischen Geschichte, von dem, was sich im Stall von Bethlehem dereinst zugetragen hat. Hauptsache, der Kanal ist voll und die Sucht ist befriedigt!

Welchen Schaden das bei Kindern nachhaltig anrichtet, kann niemand genau ermessen.
Weihnachten war für mich der Tag der Sehnsucht nach Geborgenheit.
Ich blickte in das Krippchen und war neidisch auf die Figuren, die dort in trauter Gemeinsamkeit um das Christkind herumstanden und auf es hinab blickten. Wäre ich doch dort bei ihnen, mit meinen Kindern!
Dachte ich verzweifelt!

Ich wünschte mir so sehr, jetzt gleich ausbrechen zu können aus diesem Desaster einer verpfuschten Familie, in die ich durch die ständigen Alkoholexzesse meines Partners einfach keine Harmonie hineinbringen konnte. Ich fühlte mich als Versagerin und konnte doch daran nichts ändern.
Die Angst, dass der Heilige Abend verpfuscht, verdorben werden könnte durch die Trunksucht des Vaters meiner Kinder, verursachte mir ein ständiges Kribbeln in der Magengrube.
Es war mit schrecklicher Prüfungsangst vergleichbar, was ich da empfand.
Ich durfte mir nichts anmerken lassen. Ich tat so, als wäre das alles nichts.
Ich sorgte fürs Essen und dass es keine Pannen gab bei Tisch.

Meine Kinder erzählen mir heute oft, dass sie Weihnachten trotzdem als sehr schön in Erinnerung haben.
Das kann ich mir heute meiner perfekten Art, schlimme Situationen zu überspielen, zuschreiben.
Was ich dabei empfunden habe, war die Hölle.
Ich war im Zwiespalt zwischen dem, was ich meinen Kindern bieten wollte und dem, was die Gegebenheiten waren, die ich nunmal nicht zu ändern in der Lage war.

Könnte ich die Zeit zurückdrehen, dann wäre ich mit meinen Kindern lieber alleine gewesen und hätte den trinkenden Störfaktor lieber ausgeschaltet.

Vielleicht aber habe ich das alles durchleben müssen, um es heute um ein Vielfaches mehr schätzen zu können, keinen Alkoholiker mehr an Weihnachten auf dem Sofa liegen zu haben!

Ich wünsche Euch ein besinnliches Weihnachten,
ohne Verstellungen, ohne Streit, ohne Zwänge und ohne Angst!

Eure Marie-Therese

 










Sonntag, 6. Dezember 2015

Warum hörst du nicht auf zu trinken?

Mit freundlicher Genehmigung: Martin Quast  / pixelio.de


Allen Nichttrinkern erscheint es so einfach!

Warum hört der Betroffene in unserer Familie,
unserem Freundeskreis,
nicht einfach auf mit dem Trinken?

So schwer kann das doch nicht sein, oder?

Und wenn es sich um den Partner handelt, denkst du dir:
Aus Liebe zu mir könnte er doch aufhören!
Also liebt er mich nicht genug!

Wenn einer jemals aufgehört hat, zu Saufen,
dann nicht aus Liebe!

Jemand, der nicht abhängig ist von einem Stoff - hier der Alkohol,
kann sich nicht vorstellen, wie es ist,
wenn man ständig Nachschub braucht.

Je länger der Betroffene trinkt, umso schwieriger wird es für ihn,
für einen gewissen Zeitraum nichts zu trinken.

Das Verlangen nach dem Suchtstoff ist zunächst nur im Kopf präsent.
Der Wunsch, zu trinken, drängt sich aber immer mehr in den Vordergrund.

Trinken zu wollen, wird immer wichtiger, etwa so:
Alkohol, Alkohol, Alkohol, Alkohol...!!!

Dafür rücken die Dinge, die früher einmal wichtig und präsent waren
für den Betroffenen, immer mehr in den Hintergrund,
werden bedeutungslos, sind unwichtig geworden für ihn.

Gefühle verblassen, sie sind nicht mehr so intensiv.
Wenn sie wieder zum Vorschein kommen,
dann verstärkt im betrunkenen Zustand.

Da wird dann schon mal geheult oder so...
Zwischen den Alkoholkonsum-Phasen macht der Betroffene
einen eher unterkühlten, distanzierten Eindruck.
Er wirkt "gefühlskalt".

In Wahrheit können Gefühle im nüchternen Zustand
während einer aktiven Phase der Sucht nicht "gelebt" werden.
Der Betroffene fühlt tatsächlich nichts.
Er ist leer. Ihm ist alles "wurscht".

Das Verlangen nach Alkohol wird immer wichtiger.
Dafür tut er alles.
Dafür ist er auch schon mal verzweifelt und wütend.
Weil er den Suchtstoff braucht.

Mit der Zeit wird "Aufhören" immer utopischer für den Betroffenen.
Er kann sich ein Leben ohne Fusel nicht mehr vorstellen.
Der Alkoholkonsum und die Zeiten,
in denen er trinkt, werden immer länger,
nehmen zeitlich immer mehr Raum im Leben ein.
Die Pflichten werden dabei mehr und mehr vernachlässigt.

Oder: Arbeit kann nur noch
im angetrunkenen Zustand gut ausgeführt werden.
Nüchtern ist man gehörig am Zittern, am Jammern,
am Schlafen, auf Rückzug.

Für den Partner echt schlimm.
Der wird kalt gestellt.

Einen "lebhaften" Partner erleben sie nur noch,
wenn der betrunken ist.
Dann ist es schon fast wieder zu arg.
Da zieht er Szenen ab. Er führt sich auf.
Man weiß nicht, was man sich wünschen soll.
Nüchtern eiskalt, besoffen hysterisch
und überdreht bis aggressiv...

Aufhören? Undenkbar!

Es ist fast so, als würde man
von einer hochschwangeren Frau verlangen,
sie solle den Mount Everest besteigen.
Wir, "von außen", können überhaupt nicht nachempfinden,
wie es ist, auf Entzug zu sein.

Unruhe, Nervosität, Schlaflosigkeit, Übelkeit,
Zittern, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen,
Schmerzen im ganzen Körper.
Es fühlt sich an wie eine Grippe...
Es ist die Hölle.

Er KANN deshalb nicht so einfach aufhören.
Es geht nicht.
Macht Euch darüber keine Illusionen.
Es ist nicht möglich.
Ein "Alki" braucht die Therapie.
Ohne geht's nicht oder nur sehr selten.

Ein weiter Weg.
Ohne seine ausdrückliche Bereitwilligkeit sich auf eine Therapie einzulassen,  ein echt sinnloses Unterfangen.
Ist er nicht schon weit genug "unten",
das heißt:
gesundheitlich ist der Betroffene schon so dermaßen angeschlagen,
dass die Phasen ohne Alkohol schier unerträglich werden,
der Körper zurück schlägt mit Durchfall,
Magenschmerzen, Schwindelanfällen,
Wahnvorstellungen und rasenden Angstzuständen...,

heißt es: Abwarten.


Hast du viel Zeit?
Dann warte mit ihm ab.
Sieh ihm zu beim Saufen.
Begleite sein "Sterben auf Raten".
Das ist es - nicht mehr und nicht weniger.

Bis sie kurz davor sind.
Dann kommt der "weiße Engel" vorbei
und zeigt ihnen im Delirium die rote Karte!
Das kalte Grauen erfasst sie.
Der Punkt der Umkehr?

Oder die Entscheidung für den Suff und damit für den Tod?
Zu Dramatisch? Nein. Einfach Realistisch!
Die Entscheidung liegt bei Dir.
Bleiben und mit ansehen?

Oder einfach gehen und selbst leben.
Manche hören nämlich nie auf.
Sie saufen bis zum bitteren Ende.

Denen, die bleiben wollen,
wünsche ich viel Geduld und viel Zeit und...





...viel Glück!


Eure M.T. Marquart

 

 



Mittwoch, 11. November 2015

Barrieren - das Buch

Buch von Marie-Therés Marquart


Barrieren
Leben mit der Sucht anderer


Warum habe ich dieses Buch geschrieben und wovon handelt es?

Zum Titel:

Ich habe die Alkoholsucht meiner Partner stets
als eine unüberwindliche Barriere in meinem Leben empfunden.
Eine echte Lebens-Barriere,

die vor all dem aufgebaut war,
was mir in meiner Partnerschaft
und für unserer kleine Familie so wichtig gewesen wäre:
Liebe, gegenseitiges Vertrauen,
Geborgenheit, Zusammengehörigkeit -
und vor allem: Zukunft!
All das hat die Alkoholkrankheit
meines damaligen Partners und Vater meiner Kinder
durch sein Trinken bereits im Keim erstickt.

Die Sucht stellte für mich immer
eine unüberwindbare Barriere dar -
denn sie verhinderte einfach alles,
was eine Partnerschaft, Ehe und Familie im Grunde ausmacht.

Warum schreibt jemand?

Den Vorgang, das, was man erlebt
und einen innerlich stark bewegt hat,
einfach aufzuschreiben,
kennt man ja schon seit Erfindung des Tagebuchs.
Bereits beim Schreiben geschieht schon
die Aufarbeitung all der dokumentierten Erlebnisse,
und mann kann später,
aus einem gewissen Abstand heraus,
noch einmal alles nachlesen und überdenken.
Sozusagen ein „Selbstlerneffekt“ für das weitere Leben.

Damals, als ich übervoll war
von verwirrenden Emotionen
und Sklave meiner ständigen Richtungsänderungen,
was meinen Lebensplan insgesamt
und meine Beziehung zu meinem neuen Partner, Bernd,
im einzelnen anging,
erhielt ich den Rat eines Suchttherapeuten,
mich einfach hinzusetzen
und meine Erfahrungen
mit früheren und jetzigen,
süchtigen Partnern als meine "Story"
aufzuschreiben.
 Dies würde helfen, mir darüber klar zu werden,
was ich eigentlich von meinem Leben
und von meinem Partner erwartete,
und welchen Weg ich in meinem weiteren Leben
einschlagen wollte und um ein besseres Gefühl
dafür zu entwickeln,
was für mich gut oder eher schädlich sein würde.

Sie werden jetzt denken:

„Aha, sie schreibt sich ihren Seelenmüll vom Leib
und wir sollen ihn nun lesen?“

Ja! Ich würde mich sehr freuen,
wenn gerade Sie mein Buch lesen!

Um mit mir das zu teilen,
was ich erlebt habe,
und vielleicht dadurch
Parallelen zu ihrem eigenen Leben
oder zu ähnlichen Geschehnissen
in Ihrem persönlichen Umfeld zu ziehen.

Vielleicht könnten auch Sie
Nutzen daraus ziehen,
aus dem, was ich in meinem Leben geändert
und verbessert habe.

Deshalb habe ich mein Buch Barrieren geschrieben
und mich fast zehn Jahre lang
intensiv um die Veröffentlichung bemüht.

Endlich habe ich einen Weg gefunden,
um Ihnen meine Lebensgeschichte zu erzählen:
Endlich kann man "Barrieren"
als richtiges Buch im Handel kaufen!

Mein lang erstrebtes Ziel ist erreicht und ich bin stolz darauf!

Der Vorgang des Schreibens alleine diente nicht allein dazu,
mir alles Erlebte einfach nur so von der Seele zu schreiben;
Sondern es war schon auch darauf zu achten,
dass der Stoff interessant geschrieben war
und einen Unterhaltungswert bekam,
denn wer will schon einen trockenen Tatsachenbericht lesen?

Barrieren ist nicht womöglich eine Aufzählung von
schrecklichen, traumatisierenden Ereignissen.
Barrieren ist aber auch kein seichter Unterhaltungsroman,
den man nach einigen Stunden Lesens
wieder vergessen hat.

Barrieren soll "Spuren" im Verständnis des Lesers
hinterlassen und Denkanstöße geben.
Es soll Menschen öffnen für Schicksale wie meines,
Verständnis bringen für Frauen wie ich es bin,
die Hilfe und Unterstützung von uns allen
dringend benötigen,
statt Menschen, die wegsehen und sagen:

"Was geht mich das an?"

So erzähle ich in meinem Buch
wie ich einer guten Freundin erzählen würde.
Ihnen, lieber Leserin - und vielleicht auch Ihnen, lieber Leser,

Erleben Sie ein Stück meines Lebens mit
und vielleicht ziehen Sie sogar Nutzen daraus,
finden Parallelen zu Ihrem eigenen Verhalten
oder das Ihres nächsten Mitmenschen,
oder können zumindest nachempfinden,
was in solchen Menschen vorgehen mag

und warum sie so handeln.

Meine geschilderten Erfahrungen und Erlebisse
erwiesen sich als sehr hilfreich für andere Angehörige
von Alkoholikern und fanden bereits viel Anerkennung
von Fachleuten, die mit der Thematik gut vertraut sind
und viel davon verstehen.

Auch aber nicht nur deshalb möchte ich Ihnen
mein Buch ans Herz legen.

Zwar mag meine autobiographische Erzählung,
die hauptsächlich von Sucht-Partnerschaften erzählt,
auf den ersten Blick nur für jene interessant erscheinen,
die sich in ähnlichen Lebenssituationen befinden.

Doch als Lesestoff richtet sich Barrieren
speziell an uns Frauen,
die wir leider oft dazu neigen, zu bemuttern,
uns im Übermaß „zu kümmern“
und dabei viel zu viel Verantwortung zu übernehmen
für die, die wir lieben.

Was liegt denn näher, als sich um „Kranke“ zu sorgen,
was Alkoholiker im Grunde genommen sind.
Nur, es handelt sich hierbei um eine sehr komplizierte Krankheit,
die denen, die aktive Alkoholiker betreuen, alles abverlangt.
Denn sie fordert mehr als nur rein pflegerisches Können.

Alkoholismus ist wie jede Sucht eine sehr schwierige Krankheit.
Trinker suchen sich aufgrund ihrer Sucht gezielt Menschen,
die dazu neigen, anderen sehr gerne helfen
und bereit sind, zu viel Verantwortung für andere zu übernehmen.
Mit der Zeit schaffen sie es, ihre Partner gezielt und dauerhaft
zur Verwirklichung und Unterstützung ihrer Sucht "einzuspannen".

Dies geschieht auf sehr subtile Art
und ihr Verhalten wird den Betroffenen selten bewusst.

Gerade wir Frauen,
die wir von Natur aus harmoniebedürftig sind,
lassen uns schnell vor diesen „Karren“ spannen.

Wir werden „co-abhängig“!


Süchtige und Frauen mit diesem sogenannten „Helfersyndrom“
passen zueinander wie zwei Puzzleteile!
Sie ergänzen sich!
Das mag auf den ersten Blick schön klingen,
nimmt aber im Laufe der Jahre einen fatalen,
völlig gegenteiligen Verlauf für beide Beteiligten!

Der aktive Säufer kommt nicht los vom Suff –
denn es werden ihm keine Grenzen gesetzt - im Gegenteil!
Die „helfende“ Partnerin kommt nicht los vom Säufer.
Sie möchte ihn trocken kriegen, ihn "retten".
So können sie nicht miteinander -
aber auch nicht ohne einander leben!

Dieses Muster erkennen wir häufig nicht!
Was das wirklich bedeutet,
wird uns oft erst nach Jahren
oder einer fachlichen Aufklärung
durch einen Arzt oder Therapeuten
bewusst, wenn die gegenseitige Zerstörung
bereits weit fortgeschritten ist.

Woher hätte man das auch wissen sollen?
Niemand hat uns das gesagt!
Keiner spricht über solche Sachen!
Nicht mal im Fernsehen bringen sie was darüber!

Und es ist ein Thema, das viele Mißverständnisse in sich birgt!

Ein heißes Eisen!

Kein Wunder, dass niemand es anfassen will, oder?
Und - wenn überhaupt – so ist immer nur der Süchtige im Brennpunkt des Interesses,
nicht aber seine Angehörigen, die tagtäglich mit ihm umgehen
und dabei ihr eigenes Leben dabei mehr und mehr vernachlässigen,
in großer Sorge um den ständig Betrunkenen an ihrer Seite.

So oder so ähnlich ergeht es aber vielen Frauen!
Doch wer kümmert sich um die, die sich kümmern?

Warum, so frage ich Sie, kümmern wir uns eigentlich
nicht selbst um uns?

So wie die uns allen so geläufige Werbung, die uns auffordert,
etwas für uns selbst zu tun, weil wir uns das doch wert wären?

Und: wir hätten es dringend nötig, glauben Sie mir!
Wenn auch Sie vielleicht eine "helfende Angehörige" eines
aktiven Alkoholkers sind:

O.k! Tun Sie was für sich! Packen Sie die Gelegenheit beim Schopf!
Gehen Sie unter Menschen – besuchen Sie eine der vielen,
tollen Selbsthilfeorganisationen, die auch Angehörige betreuen.
Dort können Sie sich endlich aussprechen, über Ihre Situation reden,
ohne verheimlichen, beschönigen und sich verstellen zu müssen.

In meinem Buch Barrieren erzähle ich,
wie es mir ergangen ist
und wie ich den Weg „nach draußen“ fand.

Ich habe so viele wertvolle Jahre
im Elend einer Säuferehe vergeudet,
ohne zu wissen,
wie ich mich richtig verhalten hätte.

Ich habe immer nur ausgeharrt
und sinnlos auf Besserung gewartet,
weil niemand da war, der mich aufgeklärt hätte.

Ich habe viele Fachbücher über Alkoholismus gelesen,
die mich zwar lehrten,
dass es sich um eine schwerwiegende Krankheit handelt,
die zuerst das Gehirn und anschließend den Körper des Süchtigen
systematisch vergiftet und schließlich zerstört.

Doch – was hat es mir selbst genützt?
Klar – ich war ein Stück klüger in Bezug auf die Krankheit "Alkoholismus" -
aber auch ein gutes Stück verzweifelter in meiner Aufgabe als Angehörige.

Doch in Bezug auf mich stand ich nach wie vor am Anfang.

Schlimmer noch:
Nun kam mir meine Situation noch auswegloser vor,
da ich mir klar darüber wurde,
dass die Zukunft mehr als düster aussah
für meinen süchtigen Partner
und somit natürlich auch für mich selbst.
Eine Tatsache, die mich nur noch heftiger
in mein übersteigertes Verantwortungsgefühl
meinem süchtigen Partner gegenüber hinein trieb!

Hätte ich damals ein Buch in die Hände bekommen,
dass sich speziell an mich,
die Angehörige eines Süchtigen wendet,
wäre mir damals bestimmt manches klar geworden!

Und:
Eine Selbsthilfegruppe, die mir rechtzeitig gesagt hätte,
welche Chancen ich als Angehörige gehabt hätte,
anstatt immer nur auf die Nüchternheit
meines Alkoholiker-Partners zu warten,
hätte mir einige Jahre meines trostlosen Lebens erspart.

Ich konnte ja nicht wissen,
wie aussichtslos mein Warten in Wirklichkeit war.
Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer zuletzt!
Wir Angehörigen leben auf unserer „Sucht-Insel“
mit unserem abhängigen Partner.
Man weiß zwar „da draußen“, dass es uns gibt -
doch niemand will "anlegen"
an unserem Strand der Hoffnungslosigkeit,
Traurigkeit und Zukunftslosigkeit!

Und nicht selten haben wir
Hilfe auch aggressiv abgelehnt
und sind in unserem falschen Stolz
lieber alleine geblieben mit unserem Elend.
So bleiben wir abgeschnitten vom Rest der Welt,
bestenfalls mit unserem Spezialwissen
um die Krankheit Alkoholismus,
ohne Aussicht auf Besserung – oder?

Und wenn es eine echte Hoffnung gäbe,
wie sähe die dann aus?
Wer könnte uns da heraushelfen –
uns und unserem alkoholkranken Partner,
wenn er doch eines Tages
ernsthaft aufhören würde mit dem Trinken?

Der einzig richtige Weg da heraus ist,
sich zu informieren darüber,
was wir wirklich tun können
– außer immer nur stumm und tatenlos abzuwarten...

Lesen Sie deshalb Barrieren - meine Geschichte!

Dann erfahren auch Sie, wie wir beide,
mein neuer, alkoholkranker Partner und ich,
herausgefunden haben!

Das symbolhafte Titelbild - was stellt es dar?
Die Frau mit einem Kind an der Hand...
(wobei es natürlich auch mehrere Kinder sein könnten),
Sie ist gerade dabei,
der Alkoholhölle zu entfliehen.
Das Kind hat den hellen Ausgang oben rechts
schon gefunden und zeigt auf aufgeregt hin;
seine Mutter hat den "Ausweg"
erst in diesem Augenblick wahrgenommen.
Zögernd geht sie gemeinsam mit ihrem Kind darauf zu.

Die Darstellung steht als Sinnbild dafür,
dass auch ein solcher,
scheinbar leicht zu gehender Weg
in ein neues, unbelastetes Leben
keinesfalls einfach sein muss.
Die "Tür" nach draußen
kann oft erst nach Jahren
bewusst und gezielt durchschritten werden.
Kinder sehen dies in ihrer Spontanität oft sehr viel früher
als wir Erwachsenen, die uns an so vieles gebunden fühlen,
die vieles unnötig komplizieren.

Darum sollten wir öfter auf unsere Kinder hören!

Link zur Bestellung bei
Literatur-Depot:

Barrieren - Leben mit der Sucht anderer

oder seit kurzem auch auf Amazon!

Viele weitere Informationen und nützliche Tipps

für Angehörige von Alkoholikern finden Sie hier in meinem Blog:



Sonntag, 25. Oktober 2015

In Gedanken will ich gehen..



Quelle: M.T. Marquart



In Gedanken will ich längst gehen...
hab's 100 Mal im Kopf geprobt.

Blicke in dein Gesicht,
als würde ich dort nach Zeichen suchen,
auf einen Wink von dir warten,
der mir sagt:
Dann geh doch!

Was hält mich?
All die vielen kleinen Wurzeln,
die meine Seele
hinüber hat wachsen lassen zu dir.

All die schönen Momente, 
die sich in meinem Herzen eingebrannt haben,
und unlöschbar mit dir und meiner Liebe zu dir
verbunden sind...
wie ein Stempel, der sich mir für immer
aufgedrückt hat.

All die Tränen,
die ich um deinetwillen,
um unsretwillen vergossen habe,
in der Hoffnung,
sie könnten die beschmutzten Seiten
unserer vertrackten, verfahrenen Beziehung,
rein waschen,
damit wir wieder von vorne beginnen,
all die Verletzungen, die wir uns gegenseitig zugefügt haben,
vergessen könnten,
und uns wieder lieben können,
so, wie damals, als wir uns ganz neu begegnet sind.

Alles schien für uns möglich,
die Welt stand uns offen,
jede Stunde, jeder Tag gemeinsam,
war kostbar für uns wie ein Diamant.
Wie in dem Lied
"Shine, like a Diamond!"
so war unsere Liebe.

Nichts von alle dem, ok...
nicht mehr viel davon,
ist übrig geblieben.

Du kennst mich,
ich kenne dich,
viel zu gut.

Es gibt nichts Neues mehr zu entdecken.
Die Tage sind einer wie der andere,
sie laufen an uns vorbei.
Wir laufen vor einander weg.

Keiner hat dem anderen mehr was mitzuteilen,
nichts von Belang, nichts von Tiefgang.
Hat doch alles keinen Sinn mehr...
klingt es bitter in mir,
immer wieder.

Ich Gedanken will ich längst gehen,
doch mein Herz singt:

Bleib!

Und so gebe ich unserer Liebe
noch eine weitere Chance...
Und mein Herz sagt: Ok.... vielleicht...?

Und ich blicke in deine Augen,
etwas in ihnen signalisiert mir:
Es ist noch nicht zu spät!
 Ich glaube, es heißt:

Bleib!

                                           
                                                                  
                                               M.T. Marquart


 


Donnerstag, 22. Oktober 2015

Das Leben ist ein ständiger Wandel

Quelle: M.T. Marquart - Abendstimmung am Wasser

Die wohl einschneidenste Erfahrung,
die Menschen machen müssen,
ist die, dass im Leben nichts von Dauer ist.

Schon das Kleinkind erkennst du,
wenn sich dein Umfeld und die Anforderungen an dich ändern.
Wenn dir erste Grenzen gesetzt werden.
Du hast mit Trotz und Tränen reagiert.

Wir wollen instinktiv alles festhalten.
Sich zu trennen, ist schwer.
Sich zu ändern und anzupassen, ist hart.

Unser Leben ist eine Aneinanderreihung
von einzelnen Lebensabschnitten.
 Immer, wenn ein Abschnitt zu Ende geht,
ist es einesteils spannend, 
sich auf Neues einzulassen.
 Im Rückblick aber sind wir traurig.
Denn gleichzeitig müssen wir dafür
endgültig etwas hinter uns lassen.
Es kommt nie wieder.

Das eine ist der Preis für das andere, das Neue...

 Selbst wenn du einsiehst,
dass es jetzt und gerade in dieser Situation
das Beste ist, die Veränderung anzunehmen,
ist es trotzdem schwierig,
sich darauf einzulassen.

Dazu gehört vor allem auch,
sich z.B. von einem Menschen zu trennen,
der nicht gut für uns ist.
In loszulassen, heißt, eine Lücke in unser Leben schlagen.
Die Lücke, die dieser Mensch vorher ausgefüllt hat,
heißt es jetzt, zu akzeptieren
und sie mit etwas auszufüllen,
was gut für uns ist.

Wir haben natürlich Angst vor dem, was danach kommt.
Wer kann das schon wissen?

Dankbar zurück zu schauen,
auf das, was wir hatten,
ist Balsam für unser Herz,
das bang dem entgegen zittert,
was kommt.
 
Das Leben ist ein ständiger Wandel.
Ohne Wandel - kein Leben!
Ohne Schatten - kein Licht.

Tröstlich zu wissen, 
dass wir nicht alleine sind im Leben.
Wir sind ständig unter der Obhut der höchsten Allmacht,
dem All-Einen, der über alles wacht,
der alles lenkt und steuert.

Uns kann nichts geschehen.

In diesem Wissen können wir uns jeden Tag
in seine Hände begeben.
Wohl und sicher dem entgegenstreben,
was das Leben für uns bereit hält.
Das ist nicht etwa nur so dahingesagt...
dahin geschrieben...
Weil es sich so gut anhört.

Es ist tatsächlich so.

Wir müssen uns nur darauf einlassen,
uns täglich sagen:
"Gott! Ich gebe mein Leben in Deine Hände!
Du wirst wissen, was gut für mich ist!"

Vertrauen wir ihm,
so, wie wir unserer Mutter, unserem Vater
als Kind vertraut haben.


Und alles wird gut.


                                                      Eure M.T. 

 
 




 


 





Coabhängiges Verhalten - woran erkennt man es?

Bildquellenangabe:   Uta Herbert - pixelio.de Der Mann Deiner Schwester, Deiner Freundin...