Samstag, 14. November 2009

Du bist nicht allein!

Quelle Foto: www.pixelio.de Fotograf: Peter Hebgen

Wir sind geschockt!

Am Beispiel Robert Enkes haben wir wieder einmal erlebt,
wie hilflos wir sind, wenn ein Mensch,
der bisher in unserer Mitte gelebt hat,
seinem Leben selbst ein Ende setzt.

Psychische Krankheiten sind für uns
noch immer schwer fassbar,
trotz aller medizinischer Forschung
und Erkenntnisse können wir
suizidgefährdete Menschen
nicht immer als solche erkennen.

Für Hinterbliebene die reinste Hölle,
einen geliebten Menschen auf diese Art
verlieren zu müssen!
Tausend Fragen tun sich auf...

Keiner versteht es, keiner kann es nachvollziehen.
Auch wenn die psychische Labilität bekannt war -
mit dem Schlimmsten rechnet doch niemand!

Ich kann mir gut vorstellen,
dass sich die schockierten Hinterbliebenen
sich neben einer unsäglichen Trauer
gleichermaßen mit Gefühlen,
verraten worden zu sein vom dem,
der sich "so einfach" aus dem Leben "geschlichen"
und sie mit ihrem Schmerz
und ihren Problemen alleine gelassen hat.
Zur ohnehin tragischen Situation
kommen komplizierte Formalitäten,
mit denen die Angehörigen durch den Selbstmord
bedingt konfrontiert werden.

Viele werden sich mit Schuldgefühlen konfrontiert sehen,
sich fragen, ob sie selbst einen Anteil an dem haben,
was passiert ist, vor allem dann,
wenn kein Abschiedsbrief hinterlassen wurde,
der sie davon frei spricht.
Trotzdem werden sie nie ganz verstehen,
warum der geliebte Mensch
diesen unbegreiflichen Weg gegangen ist.
Wie soll man damit umgehen?

Auch bei alkoholkranken Menschen
gibt es häufig Selbstmordversuche und Selbstmorde.

Wir Angehörigen können nur erahnen,
wie tief das betroffene Familienmitglied
bereits "gesunken" sein mag,
wenn ihn die Verzweiflung zu diesem Schritt treibt.

Das Wissen um die Sucht befreit uns trotzdem nicht
vor der quälenden Frage, warum es geschah.

Mit dem Trinken aufzuhören,
erscheint uns doch viel leichter,
als sich das Leben zu nehmen!

Offenbar ist es doch nicht so einfach, wie wir glauben.

Die Psyche des Menschen ist sehr schwer zu begreifen.
Auch Psychologen stoßen hier an ihre Grenzen,
wenn Menschen in tiefe Depression verfallen.
Dennoch:
Wegzusehen oder es einfach zu ignorieren,
dass mit dem anderen ganz offensichtlich
"etwas nicht stimmt",
ist zwar bequemer -
aber können wir uns das leisten?
Wer weiß, irgendwann könnte es uns selbst
so ergehen und wir wissen keinen Ausweg mehr...
In einer Welt, in der keiner mehr dem anderen zuhört,
in der bereits Tränen in der Öffentlichekeit
als extrem peinlich empfunden werden,
in der gefälligst jeder seine Schwierigkeiten
besser für sich behalten sollte,
ist es kein Wunder,
dass sich viele vollkommen verlassen fühlen
mit ihren Problemen und Krankheiten
und sich in eine Art von Vertuschungstaktik flüchten,
nur um sich nicht zu blamieren
und die Achtung der anderen zu verlieren.

Wir, das Umfeld, müssen uns wieder dafür öffnen,
dass Probleme erzählt werden dürfen,
dass von Krankheiten und Schwierigkeiten
wieder berichtet werden darf,
ohne gleich als Schlappschwanz oder Heulsuse
abgesptempelt zu werden
und dass wir endlich wieder anfangen,
ehrlich zuzuhören und aktiv zu helfen,
wenn unser Nachbar, Kollege, Azubi
oder gar ein Familienangehöriger oder der Partner
mehr oder weniger offensichtlich Hilfe benötigt.
Als erster Schritt ist es wichtig,
den anderen zum Erzählen der Probleme zu ermuntern,
Beistand und Hilfe in Aussicht zu stellen
notfalls mit Unterstützung von Fachstellen.

Natürlich gehört dazu einige Überwindung und Mut,
sich den Problemen seines Nächsten zu stellen
und sich darauf einzulassen
in einer Zeit, in der jeder denkt:
"Was geht mich das an?"
"Da misch ich mich nicht ein!"
Es geht uns alle an!
Menschliche Grundregeln im Miteinander
die eigentlich selbstverständlich sein sollten...

Wenn jeder von uns nur ein klein wenig hellhöriger,
aufmerksamer und verständnisvoller werden könnte,
wäre dies schon ein großer Schritt in Richtung Nächstenliebe!

Man muss nicht unbedingt einer Kirche angehören,
um dies zu verstehen und - zu praktizieren!
Weg vom "ICH" hin zum "WIR"
WIR alle haben es nötig!
Eure

Marie-Therese

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