Dienstag, 17. August 2010

Vergebung - manchmal sehr schwierig!


Ehrlichkeit und Offenheit sind gerade unter der Problematik der Alkoholsucht in einer Beziehung ein sehr schwieriges Thema!
Verheimlichen und Vertuschen gehört leider zum Krankheitsbild des Alkoholismus. Wer mit einem Trinksüchtigen zusammen ist, kann davon ein Lied singen!
Nicht süchtige Partner haben schwer zu kämpfen mit dieser suchtbedingten Unehrlichkeit, dem Hang des Trinkers, zu verheimlichen und zu verunglimpfen. Besonders schwer zu verkraften ist es, wenn wir uns als Partner auf die "Vereinbarungen" und "Versprechen" verlassen wollen, die getroffen und gemacht wurden. Sehr oft stehen wir vor den Trümmern dessen, was sich im Nachhinein nur als heiße Luft erwiesen hat. Wieder haben wir uns darauf eingelassen, obwohl wir doch eigentlich schon wußten, dass es wahrscheinlich wieder mal nicht eingehalten werden würde.

Dass ein alkoholkranker Partner sich in den meisten Fällen gar nicht an das halten kann, was er zu Zeiten der Reue, der Nüchternheit und des Vorsatzes, sich ändern zu wollen, gemacht hat, verstehen wir nur schlecht. Wir setzen den selben Maßstab an, den wir bei gesunden Mitmenschen ansetzen in der Hoffnung, die Sucht eines Tages besiegen zu können. Und schließlich wollen wir doch den süchtigen Partner auch nicht in Bausch und Bogen als Wortbrüchigen abstempeln und schenken ihm immer wieder aufs Neue Vertrauen, angetrieben von Gefühlen wie Liebe und Verantwortung.

Irgendwann jedoch ist auch unsere Kraft und Geduld am Ende!

Wir fühlen uns komplett verraten und ausgenützt, können dieser Beziehung/Ehe nichts mehr abgewinnen und wenden uns endgültig ab von dem Menschen, der uns ja doch immer nur aufs Neue enttäuscht hat mit seinen trickreichen Ausreden, hohlen Versprechungen und Lügen, die allesamt nur darauf abzuzielen scheinten, uns hinters Licht zu führen.

Dies ist der Punkt, an dem es oft kein Zurück mehr gibt.
An dem alles scheitert.
Der Vertrauensbruch ist endgültig nicht mehr zu kitten.
Der "Narren-Bonus" ist aufgebraucht!
Wir haben gestrichen die Schnauze voll
und wollen endlich einen Schlußstrich unter diese Farce ziehen!


Und wenn dann aber derjenige vor uns steht, und ein letztes, wirklich allerletztes Mal um Vergebung bittet, dann müssen wir die schwierigste Entscheidung unseres Lebens treffen. Und ganz egal, wie wir uns entscheiden, und was die anderen dazu sagen werden, müssen wir zu unserer Entscheidung stehen!

Nur: Irgendwann merkt es auch der Dümmste, dass wir alles mit uns machen lassen und dass unsere Entscheidungen so wackelig sind, wie ein Kartenhaus, das bereits durch den leisesten Luftzug umfällt!Denn unser ganzes Selbstwertgefühl und unsere Achtung vor uns selbst hängt davon ab, wie wir uns entscheiden.

Und diese Entscheidung kann uns niemand abnehmen.
 
 
Eure
Marie-Therese
  

1 Kommentar:

  1. Eigentlich geht es uns nicht anders, wie unseren Partnern: wir versprechen, drohen - und halten es dann doch nicht... Ich schäme mich für meine Inkonseqenz genauso wie ich mich für ihn fremdschäme... Wie kommt man aus der Nummer mit erhobenen Haupt, mit erhaltenem Selbstwertgefühl und ohne alles zu verlieren, was einem so unendlich wichtig ist, wieder raus??!

    Tschuldigung, dass ich da so einfach reinplatze, aber ich habe heute mittag deine Seite entdeckt und fühle mich schon durch die Tatsache, dass es anderen auch so geht, etwas getröstet und ermutigt.

    LG

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